Alte Wirtshäuser

Der "Schwarze Bube" in Zindelstein erinnert wohl an die Köhler in der Gegend

ezi

Von ezi

Mi, 06. November 2019 um 12:55 Uhr

Donaueschingen

Das Gasthaus "Zum Schwarzen Buben" zwischen Wolterdingen und Hammereisenbach gibt es seit mindestens 250 Jahren. 80 Jahre lang war das Gasthaus sogar direkt mit dem Zug erreichbar.

Der Name des "Schwarzen Buben" in Zindelstein steht wahrscheinlich in Zusammenhang mit der Berufstätigkeit des Namensgebers. Dieser dürfte als Köhler, also als Hersteller von Holzkohle, gearbeitet haben – vermutlich für das Fürstenbergische Hammerwerk im benachbarten Hammereisenbach.

Dieses ist urkundlich schon 1523 belegt und war bis 1867 in Betrieb. Dort wurde für das Schmieden von Roheisen Holzkohle in großen Mengen benötigt. Für das Hammerwerk waren deshalb auch Köhler beschäftigt, die an bestimmten Plätzen im Wald um Hammereisenbach herum die benötigte Holzkohle herstellten. Insbesondere das Einsacken der fertigen Holzkohle war eine staubige Angelegenheit, die Hände und Gesicht der Köhler schwarz färbten. Mit etwas Fantasie kann man sich gut vorstellen, wie die Eltern ihren Sohn in der Gastwirtschaft begrüßten, wenn dieser als Köhler nach getaner Arbeit nach Hause kam: "So, hät de schwarz Bue Firobed?" So oder so ähnlich könnte die Gastwirtschaft in Zindelstein zu ihrem Namen gekommen sein.

Das Gasthaus "Zum Schwarzen Buben" zwischen Wolterdingen und Hammereisenbach gibt es seit mindestens 250 Jahren. Zindelstein selbst ist ein kleiner Weiler, der aus einer losen Bebauung in Vorder- und Hinterzindelstein besteht. Bis 1923 war Zindelstein als Gemeinde selbstständig, schloss sich dann aber zum 1. April 1924 freiwillig Wolterdingen an. Bei der geringen Einwohnerzahl – es wohnten dort etwa 60 Personen – darf angenommen werden, dass die Gastwirtschaft ursprünglich eher nicht wegen des örtlichen Bedarfs eingerichtet worden war. Deren Angebot dürfte sich viel eher an die Nutzer der ins Bregtal und nach Freiburg führenden Straße gerichtet haben. Heute sind es überwiegend die Stammgäste aus Zindelstein und Wolterdingen sowie der Umgebung, die die Angebote im "Schwarzen Buben" regelmäßig nutzen. Hinzu kommen die Radfahrer auf dem Bregtal-Radweg, die Wanderer sowie die Skilangläufer auf der Anton-Durler-Loipe.

Der Wolterdinger Ortschronik von Emil Hauger kann entnommen werden, dass es den "Schwarzen Buben" bereits 1772 gab und der damalige Wirt Johann Kirner neben dem Tavernengeld auch den Beckenschuss und Mühlzins zu zahlen hatte. Er hat also für durstige Kehlen nicht nur Bier aus dem "fürstlichen Bräuhaus" verkauft, sondern auch noch als Bäcker seine Brötchen verdient und, vermutlich für den Eigenbedarf, eine Mühle betrieben. 1828 übernahm sein Sohn Christian das Anwesen und bewirtschaftete dies zusammen mit seiner Ehefrau Maria, geborene Maier, um es 1856 an die Tochter Sophie zu übergeben, die es zusammen mit ihrem Mann Alex Wehrle weiterführte.

Josef Kromer aus Hammereisenbach kaufte 1914 den "Schwarzen Buben". Zusammen mit seiner Ehefrau Karolina Kirner bewirtschaftete er diesen bis 1920. Dann übernahm sein Sohn Josef das Anwesen. Zusammen mit seiner Frau Josepha, geborene Neininger, führte dieser den Wirtschaftsbetrieb weiter. Ihr Sohn Stefan trat 1963 zusammen mit seiner Frau Hilda, geborene Willmann, in die Fußstapfen der Eltern. Seit 1997 leitet ihre Tochter Sieglinde Preisinger mit ihrem Ehemann Kurt das Gasthaus. Bis heute ist der "Schwarze Bube" insbesondere wegen seiner Versper-Angebote aus eigener Schlachtung sehr gefragt.

80 Jahre lang waren Zindelstein und das Gasthaus "Zum Schwarzen Buben" sogar mit der Bahn erreichbar, und zwar mit der Bregtalbahn, deren Teilabschnitt von Donaueschingen bis Hammereisenbach am 20. Oktober 1892 eröffnet worden war. Ein Dreivierteljahr später war die Bahnstrecke dann bis Furtwangen befahrbar.

Beim "Schwarzen Buben" in Zindelstein gab es eine Haltestelle und sogar einen kleinen Bahnhof. Im Gasthaus selbst konnten Fahrkarten in beide Richtungen erworben werden. Neben den wenigen Anwohnern und einigen Ausflüglern wurde diese Haltestelle damals wohl überwiegend für die Holzverladung genutzt. Die ehemalige Laderampe ist im Gelände noch auszumachen.