Obst

Feigen sind süß und salzig ein Hochgenuss

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

Mo, 21. Oktober 2019 um 14:56 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Diese Frucht gleicht einem Gruß aus der Antike: Feigen fühlen sich auch in unseren Breiten wohl und bescheren ihren Besitzern reiche Ernten. Köche laden sie zum Experimentieren ein.

Feine Risse in der Schale? Das ist das untrügliche Zeichen für Süße und Saftigkeit. Dann also ran an die Feige und am besten frisch vom Bäumchen genießen. Bis in den Herbst hinein ist das möglich und so freigiebig sich Ficus carica, Vertreter der Familie der Maulbeergewächse, gegenüber seinen Besitzern selbst auf kleinstem Raum zeigt, stellt sich zunehmend die Frage nach dem Wohin mit den ständig nachwachsenden Früchten. Tütenweise verschenken oder Marmelade und Chutney einkochen kann jeder.

Süßspeisen und salzige Gerichte aus aller Welt umfasst die Sammlung von Tatiana Y. Silla

Tatiana Y. Silla hat in ihrem soeben im Wiener Mandelbaum-Verlag erschienenen Büchlein "Feige" weit mehr Rezeptideen zu bieten, denn schließlich beschäftigt sich die italienische Philosophin mit der Geschichte der Gastronomie und hat ein Faible für jene Frucht entwickelt, deren Spuren sich durch archäologische Funde 11.000 Jahre zurück ins Jordantal verfolgen lassen. Süßspeisen und salzige Gerichte aus aller Welt umfasst ihre Sammlung.

Clafoutis mit Feigen – ein Kuchen aus der Region Limousin – ist dort ebenso zu finden wie Kastanienmehlkuchen mit Feigen und Schokolade aus Florenz, türkischer Feigenpudding oder ein Rezept für spanische Feigenkrapfen.

Erste Zeugnisse der Existenz des Feigenbaums nördlich der Alpen und seines Gebrauchs als Heilmittel finden sich im Hochmittelalter bei Hildegard von Bingen, erklärt die Autorin. Doch eigentlich fängt die Geschichte der Feige mit Adam und Eva an, die sich bekanntlich mit einem Feigenblatt bedeckten. Dass der Grund für ihren Abschied aus dem Paradies eine Feige und nicht ein Apfel war, liegt daher im mythologischen Bereich des Möglichen. Bewiesen ist jedenfalls, dass Platon den Genuss von Feigen so liebte, dass man ihn "Feigenfresser" nannte. Wer antike Schriften studiert, findet weitere Hinweise auf die positiven Wirkungen der Feige, die vom Brei-Umschlag gegen Geschwüre und Anti-Falten-Mittel bis zur Kraftnahrung für Athleten reicht, die etwa Plinius empfahl.

Vitamine, Mineralstoffe und eine alkalische Wirkung

Fest steht, dass Feigen nicht nur viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten, sondern auch stark alkalisch sind. Damit eignen sie sich hervorragend zur Neutralisation bei übermäßiger Magensäureproduktion. In den Früchten enthaltene Enzyme, Ficine genannt, wirken darüber hinaus blutreinigend und verdauungsfördernd. Die Frucht kann auch unreif verspeist werden, nachdem man zunächst die Bitterstoffe durch Kochen herauslöst. In braunem Zucker köchelt man sie danach auf dem südamerikanischen Kontinent zu einem Sirup ein, im Mittleren Osten werden ganze Früchte kandiert für süße Backwaren verwendet. Dort dienen die Blätter auch als Wickel für Dolma: ein Tipp, den man auch hierzulande einmal mit einer pikanten Füllung aus Reis, eingelegter Zitrone und Schafskäse ausprobieren sollte.

Apropos Käse: Eine der häufigsten Verbindungen geht die Feige mit Ziegenfrischkäse ein. Der ist mild genug, um das feine Aroma der Frucht nicht zu überdecken. Überbacken im Ofen mit etwas Thymian und Walnusskernen hat man eine feine kleine Herbstmahlzeit.