"Für den Mittag was Leichtes"

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 13. Oktober 2019

Gastronomie

Der Sonntag Aus Ihringen kommt ein aromatischer Vermouth, der auch schon auf Reisen geht.

Fein bitterlich, leicht, spritzig und vielleicht das neue Modegetränk: Drei Ihringer haben mit Herzblut Otto 996, einen aromatischen Kaiserstuhl-Ve

rmouth, kreiert.

Wäre König Otto III. nicht zum Kaiser gekrönt worden, käme unser Vermouth heute vom Königsstuhl: Wer das nicht versteht, muss die schwere dunkle Flasche umdrehen, deren Silhouette ein wenig an eine Buddel Rum erinnert. "Wir haben auf unserem Etikett erklärt, wie wir zum ausgefallenen Namen für unsere Spirituose kamen", sagt Sebastian Kiss aus Ihringen, in der Hand "Otto 996", einen reinrassigen Kaiserstühler Vermouth.

Der Sage nach besuchte König Otto anno 994 die Region des heutigen Kaiserstuhls, der zunächst Königsstuhl genannt wurde, nach Ottos Krönung zum Kaiser dann aber seinen heute gültigen Namen erhielt.

Doch nun zur Geschichte des Kaiserstühler Vermouths, dessen Ursprung sich auf eine gemeinsame Leidenschaft dreier Kaiserstühler zurückverfolgen lässt: "Wir haben schon immer gern auf Vermouth basierende Cocktails getrunken", erzählt Sebastian Kiss, Vertriebsleiter einer Ihringer Etikettendruckerei.

Vermouth oder auch Wermut muss zu 75 Prozent aus Wein bestehen und auch Wermut-Kraut enthalten. Die restlichen 25 Prozent sind Mazerate, also Auszüge aus pflanzlichen Rohstoffen. Mit 15 bis 17 Prozent hat Vermouth, etwa im Vergleich mit Gin, auch einen relativ niedrigen Alkoholgehalt. "Perfekt, um an einem Sonntagmittag etwas leichtes Erfrischendes zu trinken", sagt Sebastian Kiss.

Zusammen mit seinem Freund, dem Ingenieur und nebenberuflichen Sommelier Ulli Wörne, und dem Önologen Sebastian Karle begann er vor rund zwei Jahren Vermouth herzustellen. "In der Versuchsküche daheim", erinnert sich Kiss an den Beginn des von zahlreichen Geschmackstests unterbrochenen Experiments mit einem Produkt, das selbst Weinkundigen genauer erklärt werden musste.

"Tradition hat das Getränk, etwa der französische Noilly Prat oder italienische Aperitifs, vor allem im Süden. Seit letztem Jahr hat Vermouth durch die Fachpresse aber auch bei uns Fahrt aufgenommen", weiß Ulli Wörne. Beeren und Zitrusfrüchte haben die Ihringer mit Wein und Kaiserstühler Edelbränden aus dem Weingut Gerhard Karle kombiniert, seit Mai sind sie mit zwei Vermouths in Rosé und Rot auf dem Markt.

Aromen verschiedener Hölzer herausschmecken

Im Rosé wurden Müller-Thurgau und Muskateller als Grundwein verwandt, beim roten Vermouth Pinot Noir. Pur auf Eis mit einer Orangenschale schmecke Letzterer wunderbar, schwärmt Ulli Wörne: "Aromen verschiedener Hölzer kann man gut herausschmecken und den exotischen Geschmack von Süßholz gewinnen wir beispielsweise durch Mazeration mit hochprozentigem Reinalkohol."

Weitere Holznoten, so Wörne, werden durch Aromatisierung im zweimonatigen Reifungsprozess gewonnen. Die Zutaten – Gewürze, Kräuter und Früchte – sind, so weit es geht, regional. "Im Red haben wir 16 Botianicals, die Mazerate sind von Hand angesetzt und das Wermut-Kraut ist aus Bio-Anbau", fasst Sebastian Kiss zusammen.

Was das Trio freut, ist die große Resonanz, nicht nur aus der Region. "Die Werbung läuft derzeit eigentlich nur über Social Media und es ist erstaunlich, dass sich ziemlich schnell sogar ein Händler aus Amsterdam gemeldet hat", berichtet Kiss.

In den Niederlanden gebe es bereits "einen Riesen-Hype" um den Vermouth, was man auch am großen Interesse niederländischer Kaiserstuhl-Touristen sehe: "Die Nachfrage ist so groß, dass wir schneller als geplant nachproduzieren müssen. Im Lebensmitteleinzelhandel ist das Kaiserstühler Produkt bereits erhältlich, in Hamburg angekommen und auf dem Weg in die Schweiz."
Kaiserstühler Vermouth "Otto 996" Kontakt, Einkaufsquellen und weitere Informationen im Internet auf der Webseite: http://www.otto996.com