Pfaffenkeller

Gasthaus in Wollbach ist seit Monaten ohne Telefon und Internet

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

So, 03. November 2019 um 08:29 Uhr

Kandern

Beim Gasthaus Pfaffenkeller in Kandern-Wollbach ist die Kommunikation zusammengebrochen. Die Gäste bleiben weg, die Betreiber fürchten um ihre Existenz.

Seit Monaten ist das Gasthaus Pfaffenkeller in Kandern-Wollbach kaum erreichbar. Der Grund: Die Telekom hat das Telefonsystem von ISDN auf Voice Over IP umgestellt, was über das Internet funktioniert. Die Internetleitung des Gasthauses ist dafür aber zu schwach. Die Folge: Sowohl das Telefon-, als auch das Online-Buchungssystem sind völlig zusammengebrochen. Die Folge laut Betreiber: Die Gäste bleiben aus, der Umsatz sei massiv eingebrochen. Die Betreiber fürchten um ihre Existenz und wollen nun auf Schadensersatz klagen.

Die Gastronomie im Kandertal hat auch ohne technische Probleme einen schweren Stand. Der Kanderner Hotel- und Gaststättenbetrieb "Zur Weserei" ist in finanzielle Schieflage geraden, auch die Binzener Mühle musste Insolvenz anmelden. Dass es in dem Gewerbe zunehmend schwieriger wird, bemerken auch Claude und Georg Gysin-Spitz, die den Pfaffenkeller betreiben, der auch über ein Hotel verfügt. Aber ihr Betrieb sei gut gelaufen, Hotel und Restaurant seien stets Monate im Voraus ausgebucht gewesen. Doch damit ist nun Schluss – wegen technischer Schwierigkeiten, wie Claude Gysin-Spitz im Gespräch mit der BZ schildert.

Umstellung wider Willen
Im April dieses Jahres habe er von der Telekom die Nachricht über eine Vertragsänderung bekommen. Das bisherige ISDN-System werde abgeschafft, künftig werde das Telefon über Voice Over IP laufen, also über die Internetleitung. Er sei vor die Wahl gestellt worden so Gysin-Spitz: Entweder er stimme zu, oder der Vertrag werde gekündigt. Also willigte er ein. Zu Beginn des Monats Mai sei die Umstellung vollzogen worden. Seither funktioniere bei der Kommunikation so gut wie gar nichts mehr.

Seit Mai ist Claude Gysin-Spitz ständig in Kontakt mit der Telekom. Er habe sich auch nach anderen Anbietern umgesehen und beraten lassen, aber keine Alternative gefunden, sagt er. Die Telekom habe Router installiert und dann wieder ausgetauscht, ebenso darin befindliche Simkarten. Alles ohne Erfolg. Man habe ihn auf die Verlegung von Glasfaserkabeln im Jahr 2020, die schnelles Internet ermöglichen, erzählt Gysin-Spitz. So lange könne er aber nicht warten. "Unser Auftragsvolumen ist nahezu komplett eingebrochen", sagt Gysin-Spitz. Gäste fänden sich inzwischen nur noch vereinzelt ein. Anrufer kämen nicht durch, gesendete E-Mails erreichten den Pfaffenkeller nicht, und auch solche, die vom Pfaffenkeller aus gesendet wurden, erreichten aber den Empfänger nicht. Über das Buchungssystem getätigte Buchungen kamen nicht an. "Wir hatten Gäste vor dem Lokal stehen und wussten nichts von einer Buchung", sagt Gysin-Spitz. Bestellungen erreichten den Lieferanten nicht, sodass in der Küche Zutaten fehlten. Und auch das Kassensystem funktioniere nicht richtig, was Probleme mit dem Finanzamt bereiten könne.

Sorge um Existenz
Die Pfaffenkeller-Betreiber versuchen, den Betrieb trotzdem so gut es geht am Leben zu erhalten. Buchungs- und Kassensystem würden nun über kostspielige Mobilfunk-Hotspots betrieben. Das Telefon des Gasthauses wurde zwischenzeitlich auf das Handy umgeleitet. Und mit einem Lieferanten tüfteln die Betreiber an einem System, um Bestellungen auch unter diesen erschwerten Bedingungen abwickeln zu können. "Ich habe langsam existenzielle Ängste", sagt Claude Gysin-Spitz. "Ich weiß nicht, wie ich die Verluste wieder wettmachen kann". Einen Mitarbeiter habe er bereits entlassen müssen.

Ein weiterer Schauplatz der Misere ist das neue Wohnhaus in der Rathausstraße, das ebenfalls den Pfaffenkeller-Betreibern gehört. Hier gibt es weder Telefon noch Internet, obwohl er dies bereits vor anderthalb Jahren beantragt habe, sagt Claude Gysin-Spitz. Er habe mehrfach nachgefragt, die Anträge mehrfach neu gestellt, aber nichts passierte. Bei der Telekom habe man darauf verwiesen, dass die Stadt ihr keine Grabungsrechte gewährt habe, um die Anschlüsse zu verlegen. Auf Anfrage widerspricht Bürgermeister Christian Renkert: Man habe lediglich gefordert, dass man sich mit dem Zweckverband Breitband koordiniere, der im Umfeld der Gaststätte diesem Jahr im Glasfaserkabel verlegte. Die Telekom sei nicht beigekommen, und man habe den eigenen Ausbau nicht verzögern wollen.

Nun kommt Bewegung in die Sache
Nachdem Stadtbaumeister Hanspeter Amann vor einigen Tagen von dem Problem erfahren hatte, sei dieser sofort tätig geworden, habe das Gespräch mit der Telekom gesucht und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, sagt Gysin-Spitz. In dieser Woche habe die Telekom eine Notleitung für das Telefon verlegt. Dafür musste die frisch sanierte Schulstraße wieder aufgerissen werden.

Stadtbaumeister Amann sagte der BZ, er vermute Kommunikationsprobleme bei der Telekom. Die Infrastruktur, um den Pfaffenkeller mit Glasfaser zu versorgen, sei vorhanden, sagte er. Von der Telekom war am Donnerstag trotz mehrmaligen Nachfragens kein Statement zu bekommen. Bei der Pressestelle hieß es lediglich, dass der Fall in intensiver Bearbeitung sei. Am Donnerstagnachmittag funktionierte zumindest die Telefonleitung wieder, sagte Gysin-Spitz der BZ. Langfristig, so Gysin-Spitz, sei man aber auf eine Glasfaserleitung angewiesen. Dass man sie bekomme, habe die Telekom auch versprochen.

Nachdem der Fall nun Wellen geschlagen hat, kümmere sich auch die Telekom intensiv um die Thematik, so Gysin-Spitz. Gelöst sei das Problem noch nicht, aber es gebe nun Hoffnung. Gysin-Spitz will dennoch auf Schadensersatz klagen und appelliert an seine Kunden, trotz allem sein Lokal aufzusuchen.