Nachfolger gesucht

Gaststätte mit Bahnwaggon in Kandern zu verkaufen

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Sa, 08. Juni 2019 um 15:02 Uhr

Kandern

Seit zwei Jahren suchen die Betreiber des "Bahnhöfli" in Kandern nach einem neuen Eigentümer. Das ist kein leichtes Unterfangen – trotz des zugehörigen Bahnwaggons.

Das Gasthaus Bahnhöfli in Kandern-Hammerstein steht zum Verkauf. Bereits seit zwei Jahren suchen die Betreiber Petra und Marian Golda, die die Gaststätte aus Altersgründen aufgeben wollen, nach einem neuen Eigentümer. Das ist alles andere als einfach, wie auch andere Beispiele in der Region zeigen.

Der Betrieb des "Bahnhöfli" läuft indes wie gewohnt weiter. Petra Golda sagte der BZ, dass sie und ihr Mann geahnt hätten, dass der Verkauf nicht ganz einfach sein wird. Deshalb habe man sich frühzeitig darum gekümmert. Das rund 1400 Quadratmeter große Grundstück liegt direkt an der Kandertalbahnschiene. Im ersten Stock des viergeschossigen Gasthauses befinden sich vier Gästezimmer, die auch zu Wohnungen umgebaut werden könnten. Im Dachgeschoss wohnt derzeit das Betreiberpaar. In der Gaststube finden bis zu 50 Gäste Platz. Eine Besonderheit ist der angebaute Bahnwaggon, der Platz für bis zu 30 weitere Gäste bietet. Diesen Waggon hat der Verein Kandertalbahn den Betreibern als Leihgabe überlassen – unter der Bedingung, dass dieser gastronomisch genutzt wird.

Einige Interessenten waren dabei

Dass der neue Eigentümer den Gaststättenbetrieb weiter führt, würde sich Petra Golda wünschen. Das Ehepaar hat aber auch klare Vorstellungen vom Kaufpreis, und dieser liegt bei 590.000 Euro. Mit dem Verkauf hat das Ehepaar das Kanderner Immobilienbüro Seiter beauftragt. Kaja Wohlschlegel ist dort für das "Bahnhöfli" zuständig. Sie sagt: "Gastronomie ist immer schwierig". Banken seien bei der Gewährung von Darlehen sehr vorsichtig. Und Menschen, die das Geld dafür hätten, würden dieses eher anderswo investieren.

Es habe in den vergangenen zwei Jahren etwa zehn bis 15 Interessenten gegeben, einige von ihnen seien auch heute noch interessiert. Darunter seien interessante Ideen gewesen, so Wohlschlegel, etwa in Richtung Erlebnisgastronomie. Auch hätte es Interessenten gegeben, die einen Kauf als Kapitalanlage in Betracht zögen, dann aber wiederum einen Pächter finden müssten. Bisher sei es noch nicht gelungen, die Preisvorstellungen, Gastronomen und Finanziers zusammen zu bringen.

Die Lage ist schwieriger für Gastronomen

Zwei Jahre seien für den Verkauf eines Gasthauses keine lange Zeit, sagt Wohlschlegel. Das Gasthauses "Pflug" in Kandern-Holzen stehe schon länger zum Verkauf, ebenso der "Römische Hof" in Efringen-Kirchen-Blansingen. Beide Gebäude stünden, anders als das "Bahnhöfli", unter Denkmalschutz, was den Verkauf zusätzlich erschwere.

Insgesamt sei es für Gastronomen auf dem Land schwieriger geworden, sagt "Bahnhöfli"-Betreiberin Petra Golda. Junge Menschen gingen eher nach Lörrach oder Weil zum Essen und bevorzugten internationale gegenüber traditioneller deutscher Küche, wie sie im Bahnhöfli angeboten wird. Und dann wäre da noch die Promillegrenze, die viele Auswärtige davon abschrecke, den Weg nach Hammerstein anzutreten. "Früher kamen Gäste mit dem Auto und haben trotzdem drei bis vier Viertele getrunken," sagt sie. Das traue sich heute keiner mehr.