"Cuisine sans frontières"

NACHSCHLAG: Gemeinsam essen befriedet

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 13. Oktober 2019

Gastronomie

Nach wenigen Zeilen hat man sich festgelesen. Sitzt in einem Kanu, gleitet einen schlammigen Fluss entlang durch den kolumbianischen Dschungel und steht irgendwann vor Miriams ärmlicher Hütte. Zusammen mit dem Schweizer David Höner, gelernter Koch, Journalist und Autor, der nach dieser Begegnung vor 14 Jahren seine ungewöhnliche und höchst erfolgreiche Hilfsorganisation "Cuisine sans frontières" gründete. Was Kochen mit Politik zu tun hat, erzählt er in seinem neuesten gleichnamigen Buch, das sich aus beeindruckenden Erlebnissen in Afrika und Lateinamerika speist. Erzählen, das kann der 64-Jährige, und er tut es im deutschsprachigen Raum auch höchstpersönlich auf zahlreichen Lesungen, wenn er nicht gerade in Ecuador ist. Die gemeinsame Mahlzeit ist der kleinste Nenner mit friedensfördernder Wirkung – davon ist der Autor ebenso überzeugt wie von der Wirkung kommunaler Mikrounternehmen im Bereich Ökotourismus. Bereits das Querlesen der Stichworte unter den Überschriften macht neugierig und zeigt, dass Höner auch mit einer gehörigen Portion Humor ans Werk geht. Zu finden: Verkehrsregeln sind für Feiglinge. Seilziehen, Eierlaufen, Sackhüpfen und Leberwurstmöglichkeiten. Ganz gleich, ob er es mit furchterregend bewaffneten Stämmen oder Drogenbanden zu tun hat: Essen und Trinken entwaffnet, verbindet und ganz nebenbei erfährt man bei den teilweise bebilderten Reisebegegnungen auch von exotischen kulinarischen Vorlieben und außergewöhnlichen Mahlzeiten.

Katja Russhardt
David Höner: Kochen ist Politik. Warum ich in den Dschungel gehen musste, um Rezepte für den Frieden zu finden. 229 Seiten, Westend Verlag, 24 Euro