Eichstetten

Patrick Bilharz und sein Unternehmen "Samenfest" pflegen alte Gemüsesorten

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Mo, 07. Oktober 2019 um 08:33 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Bei ihm gibt es Sorten, die längt in Vergessenheit geraden sind. Bei Patrick Bilharz finden Gemüsegärtner, was es sonst kaum noch gibt.

Ein großer Garten, viele Blumen, dazwischen Tomaten, Stangenbohnen, Zuckermais und mehr. "Aubergine Slim Jim", "Paprika Sweet Chocolate", "Möhre Küttiger Rübli", "Tomate Andenhorn": Schon die Namen der zumeist alten Gemüsesorten, die der Agraringenieur auf seinem Feld beim Breitenweger Hof im Außenbereich von Eichstetten anbaut, machen neugierig.

"Alte Sorten haben ein vielfältiges Aussehen und Geschmack, sie sind oft robuster und unempfindlicher als die heute zumeist angebotenen Hybridsorten, die einheitlich aussehendes und schmeckendes Gemüse liefern", sagt Bilharz. Er produziert in Eichstetten etwa 200 Sorten, allein 60 verschiedene Tomatensorten, dazu Bohnen, Zuckermais, Paprika, Chilis, Möhren, Kräuter und Blumen. Wer Samen gewinnen will, muss die Pflanzen anbauen und richtig ausreifen, also lange hängen lassen.

"Es kam immer wieder vor, dass Leute Tomaten geerntet haben, weil sie wohl dachten, die erntet keiner", berichtet der 59-jährige Patrik Bilharz, "inzwischen habe ich längst einen Zaun um meinen Garten, das hilft." Gelb-bräunlich beispielsweise müssen die Tomatensamen sein, die der Vermehrung dienen; die Gallertmasse, die die Samen umgibt, darf nicht mehr grün sein.

Nach seinem Studium der Agrarwissenschaften hatte Patrick Bilharz zunächst zwölf Jahre lang in der konventionellen Maiszüchtung gearbeitet. 2004 hat er den Eichstetter Samengarten mit aufgebaut, der sich als Schaugarten dem Erhalt seltener und beinahe vergessener Kulturpflanzen widmet. Als Start für sein eigenes Saatgutunternehmen konnte er einiges Tomatensaatgut mitnehmen, anderes kam über die Jahre hinzu.

Was sind eigentlich samenfeste Sorten? "Das sind Sorten, aus deren Saatgut wieder dieselben Pflanzen mit gleichen Eigenschaften und Gestalt wachsen. Die Pflanzen werden natürlich vermehrt, also durch Wind oder Insekten bestäubt", erläutert der Fachmann. Wer diese Sorten anbaut, trägt dazu bei, die Vielfalt und die traditionellen Kulturpflanzen zu erhalten, führt er weiter aus.

Damit die einzelnen Sorten rein bleiben – der Fachmann spricht davon, dass sich keine Verkreuzungen bilden –, hat Bilharz Schutzmaßnahmen entwickelt. Die Blumenumrandungen beispielsweise, die er um die kleinen Gemüsebeete angelegt hat, sollen die Insekten ablenken. Verschiedene Paprika- und Chilisorten, die sich leicht untereinander verkreuzen würden, hat er besonders weit auseinander gesetzt.

Patrick Bilharz hat eine eigene Zuckermais-Sorte gezüchtet. Sie heißt "Dolcina". Diese ist beim Bundessortenamt als Amateursorte angemeldet und das Ergebnis einer zehnjährigen Züchterarbeit. Über einigen der Maiskolben sind Papiertüten angebracht, die mit Zahlen beschriftet sind. An den Kolben hat der Züchter vor kurzem einen Bisstest gemacht, um den Geschmack zu testen und zu klassifizieren. Nur die besten Maiskörner werden für die sogenannte Erhaltungszucht verwendet. Samen für 50 Pflanzen werden in Tütchen abgefüllt, sie kosten 3,20 Euro. Etwa 12 000 solcher Samentütchen produziert Bilharz pro Jahr. In erster Linie verkauft er sie über seinen Online-Shop, außerdem über Bioläden in Freiburg und Umgebung und den Pro Spezie Rara-Setzlingsmarkt im Mai am Freiburger Mundenhof. Für die Ernte der Früchte und Samen verwendet der Agraringenieur Bottiche, aufbereitet werden sie an seinem Wohnort in Freiburg. Die Samen müssen gereinigt werden, das erledigt ein Windsichter, der Blättchen, Stängelteile und Schmutz wegbläst. Nur die Bohnen drischt Bilharz auf dem Feld. Er füllt die trockenen, schon leicht geöffneten Bohnenschoten, in denen noch die Bohnenkerne liegen, in eine Schüssel, hebt die Schüssel über seinen Kopf und lässt die Bohnenkerne in einen Bottich rieseln. Die leichteren Schalen fallen hinter den Bottich.
Samenfest, Patrick Bilharz, Telefon 0761/2142812, Im Netz: https://samenfest.de