Staufener Kulturwoche

Magdalena Ganter & Mockemalör: Kunstvoll-rätselhafte Performance

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Do, 14. Oktober 2021 um 16:19 Uhr

Staufen

Bei der Staufener Kulturwoche gaben Magdalena Ganter und ihre Band Mockemalör ein Konzert, das wunderbar anspruchsvolle, aber durchaus rätselhafte Kost bot.

Die zahlreichen Referenzen – vom Kleinkunstpreis des Landes bis zum Preis der Deutschen Schallplattenkritik – deuten es schon an: Magdalena Ganter und ihre Band Mockemalör sind ein Fall für die Hochkultur. Musik, die gut in der Konzertreihe des Senders Arte aufgehoben ist, auf deren Open Stage sie sich Anfang des Jahres präsentieren durften.

Anspruchsvolle Musik. Gewiss. Musik, die allerdings zwischen vielen Stühlen sitzt, mal elektronischer Chanson Noir, mal fast schon Liedermacher-Pop, dann wieder eine Art klassisch-sphärische Performance-Kunst mit Diskant-Akrobatik.

Jedenfalls wohl nicht so unmittelbar zugänglich, sodass die Reihen im Zelt der Kulturbaustelle diesmal bislang im Rahmen der Staufener Kulturwoche am spärlichsten besetzt waren. Die, die gekommen waren, lauschten gebannt, applaudierten kräftig und doch blieben offenkundig nicht wenige etwas ratlos zurück.

Was war das jetzt, dem man beigewohnt hat? Was sollen uns Textversatzstücke sagen wie "können Punker Engel werden?", "morgen ist ein neuer Tag, an dem ich wieder versag’", "Hysterie – die Welt geht unter, weit und breit", "es gibt Riesen über uns". Versatzstücke, die bei Songs wie "Nie wieder", "Mehr" oder "Ich mach’ mich frei" zu wahren Wortkaskaden werden und sich hymnisch steigern, manchmal fast zum Mitsingen anregen, oft aber doch artifiziell bleiben.

Der im Schwarzwald aufgewachsenen, in Berlin lebenden, ausgebildeten Sängerin und Tänzerin Ganter standen ihre langjährigen Begleiter Simon Steger an den elektronischen Tasteninstrumenten und Martin Bach am Schlagzeug zur Seite.

Als Überraschungsgast zu diesem erst zweiten Konzert vor Live-Publikum in der schon zwei Jahre währenden Corona-Pause war ein Freund der Band aus Amsterdam eigens in die Fauststadt eingeflogen: der aus Georgien stammende Klarinettist Levan Tskhadadze. Auch er ein Grenzgänger, der als Dirigent schon Mozart-CDs aufnahm, aber auch Transkriptionen von Schubert-Liedern, Musik von Astor Piazzolla und mit einem Gitarristen ein Duo mit moderner Klassik bildet.

Ergänzt um Tskhadadzes lyrische Klarinette kam man dann dem kammermusikalischen Klang von Magdalena Ganters Solo-Album "Neo Noir" näher.

Letztlich ein wunderbarer und doch wunderlicher Abend der Ambivalenzen: Man war sich hinterher irgendwie sicher, dass man große, erhabene Kunst erlebt hat, aber so richtig gepackt hat es einen dann doch nicht und hängen geblieben ist wenig.