"Jugendraum für Alte" ist Wunsch

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Mo, 22. Juli 2019

Malterdingen

150 Malterdinger über 55 haben in der Turn- und Festhalle über seniorengerechtes Leben in ihrem Heimatort diskutiert.

MALTERDINGEN. Groß war das Interesse an der Bürgerbeteiligungsveranstaltung, die die Gemeinde Malterdingen am Freitag zum Thema seniorengerechtes Leben organisiert hatte. Rund 150 Ü-55-Jährige kamen in die Turn- und Festhalle, um ihre Wünsche und Anliegen zu ermitteln, diskutieren und vorzubringen.

Bürgermeister Hartwig Bußhardt zeigte sich über die Resonanz auf die 1150 Einladungsschreiben hoch erfreut, aber auch selbstkritisch. "Wir haben in den vergangenen Jahren viel für die Jugend und die Kinderbetreuung getan, Ihre Generation aber bis auf die Einführung eines Bürgerbusses etwas stiefmütterlich behandelt", gab er zu. In zehn Jahren befände sich ein Drittel der Bevölkerung im Rentenalter, es sei also Zeit, aktiv zu werden. Bisher müsse, wer pflegebedürftig werde, den Ort verlassen – das möchte der Gemeinderat jetzt ändern.

Für die Veranstaltung hatte sich die Gemeinde mit Moderator Thomas Uhlendahl vom Mediationsbüro Memo-U professionelle Unterstützung gesucht. Er lud die Anwesenden als "Experten ihres Lebensumfelds" gleich zu einer ersten Arbeitsrunde ein. In entspannter Atmosphäre wurde an den Tischen angeregt diskutiert und fleißig notiert.

Bei der Bestandsanalyse ergaben sich viele positive Wahrnehmungen. Von Seiten der Infrastruktur ist die Kommune mit zwei Arztpraxen, einem Zahnarzt, mit Apotheke, Lebensmittelmarkt und vielen weiteren Einrichtungen gut aufgestellt. Vermisst wurde ein soziales Zentrum. "Wir Alten haben nichts, wo wir uns mal treffen können", klagte eine Frau. Der Seniorennachmittag der evangelischen Kirche finde nur noch einmal im Monat statt, dazu würden sich viele einen konfessionell ungebundenen Ort wünschen. Ein "Jugendraum für Alte", eine Begegnungsstätte, stand bei vielen Gästen oben auf der Wunschliste. Rollatorgeeignete Verkehrswege, mehr Parkplätze und grundsätzlich weniger Verkehr, ein oder eine Seniorenbeauftragte, bezahlbaren Wohnraum, Nachbarschaftshilfe und weitere altersgerechte Angebote wurden ebenfalls genannt.

Die Pläne der Verwaltung stellte Architekt Walter Hess vor. Er präsentierte seinen Entwurf eines Mehrgenerationenhauses für das große, in der Ortsmitte liegende Grundstück Hauptstraße 120. Da in den kommenden Jahren in der Gemeinde rund 100 neue Wohnungen gebaut würden, bräuchte die Kommune vier bis sieben zusätzliche Kindergarten- oder Krippengruppen, sagte Bürgermeister Bußhardt. Im Entwurf des Architekten soll daher das Erdgeschoss der zwei L-förmig aneinander gefügten Baukörper einem Kindergarten vorbehalten bleiben. In den oberen Etagen könnten sowohl etwa zehn kleinere barrierefreie Wohnungen als auch ein gutes Dutzend "Pflegezimmer" untergebracht werden. Während der Garten als Außengelände des Kindergartens fungiert, ist für die Senioren ein Dachgarten vorgesehen.

In der sich Diskussion wurde kritisch auf den Interessenkonflikt der Mietergruppen verwiesen – und auf die problematische Verkehrslage durch den "Bring- und Hol-Service" der Eltern. Die Verwaltung verwies auf die zentrale Lage und die Parkplätze in einem nördlich angefügten "Parkhaus", der Architekt darauf, dass die Hälfte der Räume nicht auf den Außenbereich des Kindergartens ausgerichtet sei.

Bezüglich der Verbesserung der Verkehrssituation verwies Bußhardt auf die Beauftragung eines Verkehrskonzepts. Applaus erntete er jedoch mit der Idee, die er anschließend präsentierte: Da die Apotheke im Ortszentrum "etwa in einem halben Jahr" ein paar Häuser weiter in die neu sanierten Räume des alten Rathauses umziehen würde, ergebe sich für die Gemeinde die Option, die 180 Quadratmeter große Fläche an der Hauptstraße 44 zu erwerben, so Bußhardt. Zentral gelegen, mit Bushaltestelle und Parkplätzen, böte sich die Immobilie für einen "Dorf-Treff" geradezu an. Dort fänden das Seniorencafé und die Bücherei Platz. So könne "eine Begegnungsstätte für Jung und Alt" entstehen.

Als Vorbild für die Bewirtschaftung nannte er die Landfrauen-Genossenschaft der "Goldenden Krone" in St. Märgen. Die Resonanz auf diesen Vorstoß des Rathauschefs war so positiv, dass sich im Anschluss an die Veranstaltung einige Interessenten zur Bildung eines Arbeitskreises meldeten. "Bevor man hier Geld investiert, muss man ein Team bilden, das den Treff in die Hand nimmt", sagte eine engagierte Landfrau.

Die Resonanz war positiv. "Das war jetzt echt nett", sagte ein Bürger aus dem Unterdorf, ein Einwohner der Ortsmitte ergänzte: "Man hört endlich einmal, was so los ist im Dorf". Bußhardt dachte am Ende darüber nach, das Format als "als eine Art Seniorenforum" zu wiederholen.