Zum Schutz von seltenen Tieren und Pflanzen

Managementplan für den Kaiserstuhl

Thomas Rhenisch

Von Thomas Rhenisch

Mi, 20. Januar 2021 um 17:18 Uhr

Vogtsburg

In einem Managementplan hat das Freiburger Regierungspräsidium ein Konzept entwickelt, wie Fauna und Flora des FFH-Gebiets und des Vogelschutzgebiets Kaiserstuhl geschützt werden können.

Der Kaiserstuhl ist ein naturräumliches Kleinod und Lebensraum zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten. Nennenswerte Teile des kleinen Vulkangebirges sind als Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet beziehungsweise als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Für diese Gebiete wurde vom Regierungspräsidium (RP) Freiburg jetzt ein Managementplan vorgelegt.

Bundesweite Bedeutung
Der Kaiserstuhl, heißt es in einer Presseerklärung der Behörde, sei bekannt für seine ausgedehnten Trocken- und Halbtrockenrasen und seine weitläufigen Reblandschaften, die wärmeliebende Tier- und Pflanzengesellschaften von bundesweiter Bedeutung beherbergen. Hervorzuheben seien unter anderem die Orchideenvielfalt, der Insektenreichtum sowie die besondere Vogelwelt.

Wie diese Arten und ihre Lebensräume erhalten und entwickelt werden können, legt der Managementplan für das FFH-Gebiet "Kaiserstuhl" und das gleichnamige aber nicht deckungsgleiche Vogelschutzgebiet fest. Zur Umsetzung des Managementplans seien das Landratsamt, die Gemeinden sowie die Grundstückseigentümer und Bewirtschafter aufgerufen, sich vor Ort für den Schutz und die Erhaltung der heimischen Tier- und Pflanzenarten einzubringen und deren Lebensräume zu sichern. Der Managementplan enthält Vorschläge für die Bewirtschaftung und Pflege, durch die beispielsweise die Trocken- und Halbtrockenrasen oder die Brutwände des Bienenfressers erhalten werden können.

Das Konzept zählt eine Vielzahl von Schutzgütern auf, die im FFH-Gebiet Kaiserstuhl vorkommen. Dazu gehören magere Flachland-Mähwiesen oder subpannonische Steppenrasen mit landesweit wohl einzigen Vorkommen. Bedeutende Bestände liegen auch bei den Halbtrocken- und Trockenrasen vor, mit teilweise bedeutenden Orchideenvorkommen. Daneben gibt es auch eine Vielzahl von felsbezogenen Lebensraumtypen, wie Kalkschutthalden oder Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation.

Große Vorkommen an Orchideen
Bei den Waldlebensraumtypen dominieren flächenmäßig Waldmeister-Buchenwälder und Hainsimsen-Buchenwälder. Zu diesen treten kleinflächig die Orchideen-Buchenwälder und der Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald hinzu. Das Gebiet ist auch Lebensraum vieler Tierarten, wie dem Goldenen Scheckenfalter, der Spanischen Flagge, dem Hirschkäfer, der Gelbbauchunke, der Bechsteinfledermaus sowie dem Großen Mausohr. Von den zahlreichen Vogelarten der Vogelschutzrichtlinie sind besonders Hohltaube, Uhu, Bienenfresser, Wiedehopf, Wendehals, Schwarzkehlchen und Zaunammer zu erwähnen.

Das insgesamt 7942 Hektar große Schutzgebiet zählt zu den 212 FFH-Gebieten und 90 Vogelschutzgebieten in Baden-Württemberg, die zusammen Teil des europäischen Natura 2000-Netzes sind. Für jedes Natura 2000-Gebiet erarbeiten die Regierungspräsidien in Abstimmung mit Landnutzern, Verbänden und Behörden einen Managementplan, der den Bestand der geschützten Lebensräume und Arten darstellt und Maßnahmen zu deren Erhaltung vorschlägt.

Dazu gehören unter anderem die Mahd von bestimmten Flächen, ein- oder mehrmals im Jahr, eine extensive Beweidung von Grünland das ganze Jahr über, die Pflege von Feldgehölzen, Waldrändern und Streuobstbeständen, die Erhaltung und Schaffung von Laichgewässern für die Gelbbauchunke, die Bekämpfung invasiver Neophyten, die Entwicklung von Trockenrasengesellschaften und die Erstellung eines Besucherlenkungskonzepts.

Unterlagen sind einsehbar
Seit Freitag, 15. Januar, ist das Konzept unter "Aktuelles" auf der Internetseite des Regierungspräsidiums (www.rp.freiburg.de) einsehbar. Zudem kann es zu den üblichen Öffnungszeiten in folgenden Behörden eingesehen werden: Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, Untere Naturschutzbehörde, Stadtstraße 3, Freiburg; Landratsamt Emmendingen, Untere Naturschutzbehörde, Bahnhofstraße 2-4, Emmendingen und Regierungspräsidium Freiburg, Referat 56 – Naturschutz und Landschaftspflege, Bissierstraße 7, Freiburg. Das RP empfiehlt eine vorherige Terminabsprache.