"Es hat sich eine neue Welt aufgetan"

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Sa, 22. Juni 2019

Maulburg

BZ-INTERVIEW mit Tobias Hohenstatter, der seit etwas mehr als einem Jahr im Dorfstübli Maulburg den Hut aufhat.

MAULBURG. Seit etwas mehr als einem Jahr ist Tobias Hohenstatter fürs Dorfstübli, Maulburgs kommunalem Kindertreff und Konzertraum, verantwortlich. BZ-Redakteur Robert Bergmann hat den "Mann mit dem Hut" gefragt, ob ihm das Leben als Dorfstübli-Chef noch Freude macht, welche Entwicklungen er sieht und was es mit dem "Kulturhaus" auf sich hat.

BZ: Im April 2018 haben Sie als Mitarbeiter der Dieter-Kaltenbach-Stiftung die Leitung des Dorfstübli neu übernommen. Wie läuft es denn bisher so?
Hohenstatter: Rundum sehr gut. Ich bin hier voll angekommen. Alles läuft sehr stabil und ich bin mit den Menschen gut verbunden. Nach meinen bisherigen Stationen im Förderhort der Kaltenbach-Stiftung und in der Steinener Schulsozialarbeit hat sich die Arbeit im Dorfstübli nochmals als ein ganz neuer Weg für mich entpuppt. Für mich hat sich hier wirklich eine neue Welt aufgetan.

BZ: Ihre Vorgängerin Annemarie Weber hat das Dorfstübli über 30 Jahre geleitet und entsprechend geprägt. Haben Sie das Gefühl, sich davon schon ein wenig freigestrampelt zu haben?
Hohenstatter: Ich hatte eigentlich nie das Gefühl, mich von irgendetwas emanzipieren oder absetzen zu müssen. Annemarie Weber war von Anfang an so entspannt bei der Übergabe und hat mich sofort als Person ernstgenommen. So konnte ich von Anfang an – damals haben wir ja noch ein paar Monate zusammengearbeitet – völlig frei agieren.

BZ: Aber ein paar eigene Wege sind Sie dann schließlich doch gegangen ...
Hohenstatter. Natürlich. Ich habe beispielsweise das Haus in den letzten Monaten mit seinen vielen Angeboten neu durchstrukturiert und weiterentwickelt. So wurde unter meiner Leitung eine neue Homepage aufgebaut, die Öffentlichkeitsarbeit verbessert und manches systematisiert. Außerdem haben wir ganz praktisch in den ersten drei Monaten meines Dorfstübli-Engagements das Haus einfach mal entrümpelt, die Gänge frei gemacht und dafür gesorgt, dass die Räume wieder ordentlich zugängig sind. Auch eine aktuelle Fluchtwegeplanung ist gerade am Entstehen. Und eine Überprüfung der Hauselektronik durch den Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde war ebenfalls überfällig. Jetzt kann ich hier guten Gewissens mit den Kindergruppen arbeiten.

BZ: Inwieweit profitiert das Dorfstübli von dem, was Sie bei der Kaltenbach-Stiftung gelernt haben?
Hohenstatter: Ich kann hier sehr viel von meinen bisherigen beruflichen Erfahrungen einbringen. Dazu gehört die Betreuung von Grundschulkindern ebenso wie von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf. Ich kann Kunst, Handwerk und eigene kreative Angebote voranbringen – genau wie in meiner Lörracher Zeit. Im Dorfstübli kann ich nun auch wieder mehr mit den Kindern arbeiten, wie zuletzt als Leiter des Hortes der Dieter-Kaltenbach-Stiftung mit den sozialpädagogischen Fördergruppen.

BZ: Inwieweit hat der Bau des Bildungscampus Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Hohenstatter: Vom Bau des Bildungscampus wird das Dorfstübli beispielsweise dadurch profitieren, dass die Nachmittagsbetreuung in der Mensa Räume bekommen soll. Es wird dann hier nicht mehr ganz so beengt zugehen, weil die Betreuung sowohl drüben als auch hier stattfinden soll. Das gibt uns dann schon erhebliche Freiräume.

BZ: Sie haben in den vergangenen Monaten eine neue Marke kreiert: das "Kulturhaus Dorfstübli". Was ist die Idee dahinter?

Hohenstatter: Es geht mir darum, die Kulturveranstaltungen im Dorfstübli aus ihrem Nischendasein befreien. Vielfach dachten und denken die Leute, dass es im Dorfstübli in erster Linie um Kinderbetreuung geht. Und da möchte ich mit der Bezeichnung Kulturhaus Dorfstübli, mit der wir in die öffentliche Werbung für die Konzerte gehen, gerne für Aufklärung sorgen, auch das jüngere Publikum ansprechen und zeigen, was hier tatsächlich so alles stattfindet.

BZ: Und das klappt?
Hohenstatter: Also ich habe das konsequent so umgesetzt und den Eindruck, dass sich mittlerweile viele Menschen unter dem Label Kulturhaus etwas vorstellen können. Es spielen tolle Leute hier und jeder von ihnen hat es verdient, vor einem großen Publikum zu spielen. Ein Zeichen dafür, dass es vorangeht, ist vielleicht, dass es zuletzt viele ausverkaufte Veranstaltungen hier gab. Bei "Station Four" etwa kamen über 100 Leute.

BZ: Welche Künstler entwickeln denn überhaupt Zugkraft im Dorfstübli?
Hohenstatter: Das sind ganz klar die regional bekannten Größen. Künstler unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Christine Schmidt und Gaetano Siino etwa, Sänger, die alemannisches Kabarett machen oder auch in der Mundart singen. Das sind die Magneten. Leute, die von weiter her kommen, tun sich weitaus schwerer in der Publikumsgunst hier im Dorfstübli. Es tut mir schon weh, wenn hier Musiker, wie kürzlich eine unglaublich tolle Gruppe aus Basel, vor grad mal 20 Leuten spielen.

BZ: Die Jugendarbeit in Maulburg ist wieder ein ganz anderes Thema. Inwieweit sind Sie da involviert?
Hohenstatter: In Sachen Jugendarbeit sind wir in der kleinen Gemeinde Maulburg vielleicht noch ein wenig hinterher. In Steinen und Schopfheim gibt es Jugendhäuser und ein oder gar mehrere Jugendpfleger in Vollzeit. Da kommt natürlich eine 400-Euro-Kraft, wie sie hier die offene Jugendarbeit stemmen soll, vergleichsweise bescheiden daher. Andererseits sind jetzt wieder ein paar Jugendliche im Jugendzentrum. Das mögen nicht alle Jugendlichen sein, die sich ansonsten auf den Spielplätzen rumtreiben würden, aber es ist doch immerhin ein ganz guter Anfang.

BZ: Haben Sie Kontakt mit Jugendpflegerin Clarissa Guth?
Hohenstatter: Ja, natürlich, ich treffe mich regelmäßig mit ihr und wir pflegen einen intensiven Austausch. Und demnächst übernehme ich auch die Vertretung im Jugendzentrum.