Überlastetes Standesamt

MARKTGEFLÜSTER: Stempeln wie am Fließband

Willi Adam

Von Willi Adam

Mi, 05. Juni 2019

Lörrach

Nein, Heiraten ist in Lörrach noch nicht verboten und auch das Kinderkriegen ist weiterhin erwünscht. Doch ein bisschen mehr Planung bei markanten familiären Anlässen ist durchaus das Gebot der Stunde. Der viel zitierte Fachkräftemangel ereilt nämlich auch das Lörracher Standesamt. So sehr, dass sich Oberbürgermeister Jörg Lutz eigens zu einer öffentlichen Erklärung im Hauptausschuss veranlasst sah. Weil wenig Leute für viel Arbeit zur Verfügung stünden, müsse das Standesamt an dem einen oder anderen Samstag geschlossen bleiben. Damit niemand auf die Idee kommt, dem idyllisch im Brombacher Schlössle untergebrachten Amt bürokratische Langsamkeit zu unterstellen, verwies Lutz auf die Lörracher Besonderheiten. Dass Heiraten in der idyllischen Kulisse ein besonderes Glück bedeutet, mag noch eine subjektive Einschätzung sein. Doch wenn es um die Überbelastung durch das Ausstellen von Geburtsurkunden geht, kann Lutz handfeste Fakten auf den Tisch leben. Sage und schreibe 4000 neue Erdenbürger hat das Lörracher Standesamt amtlich zu erfassen. In Rheinfelden und Weil am Rhein seien es jeweils vielleicht deren 50, obwohl nach Einwohnern gerechnet beide Städte zusammen größer als Lörrach seien. Zu erklären sei dies mit dem Umstand, dass Lörrach weit und breit die einzige Geburtsklinik zu bieten hat. So etwas nennt man Zentralität. In Sachen Gesundheitsversorgung kann Lörrach gewiss mit solchen Vorteilen punkten. Aber wer hätte gedacht, dass dies ausgerechnet die Standesamtmitarbeiter mit ihrer notgedrungenen Fließbandarbeit auszubaden haben.