Schwarzwälder Kultur

LUEGINSLAND: D’reinscht Beerdigung

Martin Wangler

Von Martin Wangler

Sa, 02. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Des isch mir wirklich bassiert: "Wo goht’s do zum Schwarzwälder Brauchtumsnommidaag?" froog ich.
En Schuelerbue sait: "S’Kurhuus isch dirt hinte, direkt hinterm Friedhof." Im Kurhuus uss de 70er Johr, wo 500 Litt Platz hette, hucke ugfähr 30 Litt schee vuteilt an Einzeltisch und schoppe Kueche in sich nii. D’BrauchtumsvorführerInne präsentiere ihre Handwerk annere Fenschterfront. An große wiiße Tisch dien si stricke, häkle und schnefle. Es herrscht andächtige Stille. Unterbroche wird die Andacht erscht vum Loisl, emme baaremer Alleinunterhalter mit Läderhose, mit Rudi-Völler-Gedächtnisschnauzer un erre graue Dauerwellen-Vokuhila-Frisur. Er intoniert uffere Panflöte die Volksweise "El Condor Pasa". Denooch moderiert er im künschtlich-bayrische Dialekt s’nägst Liäd o: Wie scheen is unsa Tirolerland. Glii druff no ä Highlight: S letscht Uffgebot vu de Trachtegruppe sinn 16 stramme Trachtemaidli un zwei Trachteträger (d’Männer dirfe vum Doktor uus nu singe). S’Durchschnittsalter liegt obe in dä sächzg. Sie gänn alles! Sie tanze, singe un schwitze, zum Teil zu wunderschäne Playbacks. Dä strafversetzte Tourischtiker kündigt mich in emme gstoche klare Hochditsch aa: "Hier ist er! Der letzte echte Schwarzwälder!" ... Jo dann, guet Nacht.