Auszeit vom Alltag

MOMENT MAL: Morgens im Café

Frauke Wolter

Von Frauke Wolter

Mo, 04. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Mit Soja-, Hafer- oder Mandelmilch, ohne Koffein oder mit, darauf ein Sahnehäubchen oder lieber Schaum? In den hippen Kaffeehäusern unserer Tage fällt die Auswahl schwer. Noch dazu muss man Schlange stehen an einer Theke, Selbstbedienung ist im Kaffeegeschäft en vogue. Da lobe ich mir doch die guten alten Cafés. Sie sind früh am Morgen geöffnet; das ist ein unschlagbarer Vorteil gegenüber den Hipstertreffpunkten, die vor zehn Uhr die Kaffeemaschine erst gar nicht anwerfen. Man sitzt auf ein wenig angestaubt anmutenden Polsterstühlen, die Trendfarbe ist dunkelbraun (statt anderswo hellgrün oder weiß) und der Teppichboden schon etwas abgelaufen. An den Wänden hängen unbedeutende Stiche, es gibt Kaffee in Kännchen. Die Gäste sprechen leise, lesen die (gedruckte!) Zeitung und schaffen es auch, länger nicht auf ihr Handy zu schauen. Solche Plätze sind ein Relikt aus früheren Zeiten: Gefühlt gab es Cafés wie diese schon, als man klein war und sonntags von den Eltern dort eine heiße Schokolade mit Sahne bekam. "Wie immer?", wird das ältere Paar gefragt, das sich auf seinen Stammplatz gegenüber der Kuchentheke setzt. Zwei junge Frauen kichern in der hintersten Ecke, ein kalter Wind fegt hin und wieder durch die Eingangstür. Es riecht nach Butterkuchen und Schokolade und für einen (leider zu) kurzen Moment fällt man aus dem hektischen Alltag.