STADTBRILLE: 500 Miles

André Hönig

Von André Hönig

Sa, 30. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Gänzlich lichterlos: Der karge Tannenbaum im Foyer des Rathauses präsentierte sich am Mittwoch ähnlich wie die öffentliche Haushaltsdebatte ein Stockwerk höher im Rathaussaal. So recht ging niemandem ein Licht auf, wie die Finanzen in den Griff zu bekommen sind. Allerdings waren die Erwartungen am Mittwoch sowieso begrenzt. War doch schon vorher klar, dass es erst im kommenden März bei einer Klausurtagung ans Eingemachte geht. Diese soll außerhalb Schopfheims stattfinden – was zu einer anderen Nachricht passt. "The Hooters" kommen nächstes Jahr zum Sommersound und bringen mit ihrem Hit "500 Miles", wenn man so will, die passenden Begleitmusik zur Klausurtagung gleich mit. Geht es doch im Song um jemanden, der sich aus der Ferne auf eine Rückkehr freut – frei von allen Sorgen (übersetzt: Herr, ich bin fünfhundert Meilen von zu Hause entfernt, Ich werde frei sein, ich werde frei sein, ich werde nach Hause kommen in mein Land). Nun wird die Klausursitzung zwar nicht 500 Meilen entfernt stattfinden. Wie am Mittwoch am Rande zu erfahren war, tagt der Gemeinderat eher im näheren Umkreis von Schopfheim, um Übernachtungskosten zu sparen. Zu wünschen ist ihm aber, dass ihm dort ganz viele Lichter aufgehen – sowie eine Rückkehr frei von allen Finanzsorgen.

Aku-Punkt-ur

Der von Artur Cremans (SPD) im Gemeinderat angesprochene Punkte-Irrsinn geht uns nicht aus dem Kopf. Drei Punkte muss man zahlen für eine S-Bahn-Fahrt innerhalb der fünf Schopfheimer Bahnhöfe, egal wo man aussteigt. Ganz offenkundig sind Bahnkunden hier das, was im Sport Punktelieferant genannt wird – ein leichtes Opfer. Dass der Landkreis und der RVL daran allerdings so schnell nichts ändern wollen, ist ein echter Minuspunkt. Dabei wäre eine Regeländerung ganz einfach: Ein Heimpunkt wird veranschlagt für eine Fahrt innerhalb Schopfheims, bei einem Heimspiel sozusagen. Zusätzliche Auswärtspunkte kommen beim Auswärtsspiel dazu. Das mag zwar ein Kostenpunkt sein für die RVL, weil dadurch Bahnkunden erst einmal Punkte sparen würden – es würde ihr aber auch einen Sympathie-Punktgewinn einbringen. Schopfheim sollte daher dran bleiben. Vielleicht helfen ja stetige politische Nadelstiche – sozusagen Aku-Punkt-ur.