UNTERM STRICH: Der rote Punkt

Florian Kech

Von Florian Kech

Mi, 27. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Was man aus dem aktuellen Streitatlas alles lernen kann / Von Florian Kech.

Im ersten überlieferten Zickenkrieg der Weltgeschichte ging es um einen Apfel. Die drei Damen Hera, Athene und Aphrodite bekamen sich wegen des Obstes mit der Aufschrift "Die Schönste soll mich bekommen" dermaßen in die Haare, dass sie beinahe die Hochzeit des trojanischen Prinzen gecrasht hätten. Die weiteren Folgen dieses Vorfalls waren fatal: Der Trojanische Krieg brach aus, die Stadt von einem Holzpferd erobert und Brad Pitt tödlich an der Achillesferse verletzt. Schlimmer hätte es kaum kommen können. Und alles nur wegen eines Zankapfels.

Aus heutiger Sicht ist die Mutter der Kabbeleien nicht mehr wirklich repräsentativ. Denn in zwei von drei Fällen sind die Streithammel männlich. Das zeigt der aktuelle Streitatlas, der im Auftrag einer Rechtsschutzversicherung alle zwei Jahre für ganz Deutschland die juristischen Scharmützel kartographiert. Der typische Prozesshansel ist zwischen 46 und 55 Jahre alt, wohnt in der Stadt und fährt Diesel. Wer es lieber harmonisch mag, sollte sich also besser an junge oder ältere Landfrauen mit einem Benziner halten.

Für Harmoniebedürftige ist der Atlas jedenfalls von unschätzbarem Nutzen. Mit seiner Hilfe lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Regionen man tunlichst meiden sollte. Leider sind unsere Navigationsgeräte noch nicht so weit, dass sie auf die aggro-geographischen Daten zugreifen können, um den Fahrer großräumig um die Zoffhochburgen herum zu lenken. Aber das wird hoffentlich bald kommen. Ebenso wie die Wutweltkarte oder der Grummelglobus.

Laut Streitatlas ist vor allem der Norden auf Krawall gebürstet: Bremen, Berlin und so gut wie ganz Nordrhein-Westfalen. Je südlicher, desto grüner wird’s. In Baden-Württemberg gibt es nur einen einzigen roten Punkt: Pforzheim. Die alte Residenzstadt ist so etwas wie unsere Achillesferse. Man könnte nun den Kollegen, der 14 Jahre dort gelebt hat, nach den Gründen fragen. Aber man will ja keinen unnötigen Streit riskieren.