UNTERM STRICH: Die alten Geschichten

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Mi, 09. Oktober 2019

Kolumnen (Sonstige)

Warum ein ehemaliger Kapitän sich über sein Traumschiff ärgert / Von Stefan Hupka.

Nachdem der neue Fußballpräsident seinen Sport neulich in dieser Zeitung als "letztes gemeinsames Lagerfeuer dieser Gesellschaft" bezeichnet hat, wäre zu überlegen, welches das vorletzte war. Es müsste ein Anlass sein, zu dem sich Menschen in namhafter Zahl versammelt haben, unabhängig von Alter, Geschlecht, IQ, Konto- und Familienstand. Da kommt eigentlich nur das "Traumschiff" infrage. So hieß eine ZDF-Serie aus Zeiten, da nicht schon das Wort Kreuzfahrt jüngere Zuschauer vom Lagerfeuer weg direkt zur Freitagsdemo getrieben hat. Falls Fremdschäm- und Sekundenschlafattacken das nicht schon erledigt haben. Wir würden diese honorige Stelle des Blattes auch nicht einer Seifenoper widmen, hätte nicht ein Insider Unerhörtes über deren Machart verraten. Der Mann heißt Sascha Hehn, hat unlängst als Kapitän des aus mancherlei Gründen lecken Traumschiffs abgeheuert und sieht sich nun nicht mehr an ein Schweigegelübde gebunden.

"Zuletzt war es so, dass einfach alte Geschichten wiederholt wurden", whistleblowte Hehn bei dpa, "nach dem Motto: Der Zuschauer merkt das ja sowieso nicht." Hier stellt sich die Frage: Nimmt die Intendanz den Hut? Beruft der Verwaltungsrat einen Krisenstab ein? Drohen Klagen von Gebührenkritikern? Dreimal nein. Denn wenn es "den Zuschauer" nur im Singular gibt, kommt es auf die Quote nicht mehr an. Auch hat der Zuschauer es natürlich gemerkt. Wie er auch gemerkt hat, ehe Oberarzt Dr. Udo Brinkmann alias Hehn es verriet, dass die "Schwarzwaldklinik" in weiten Teilen in Hamburg gedreht wurde und nicht im Glottertal. Das macht dem Zuschauer aber nichts. Er will vielleicht Kapitän Gähn, pardon, Hehn nicht mehr. Aber er will die alten Geschichten, die aufgewärmten, erfundenen, immer gleichen Rituale, den Trost der Wiederholung. Der Rest ist Doku. Und selbst der Fußballpräsident käme in Verlegenheit, wenn sein Lagerfeuer jeden Samstag anders brennen müsste. Anders als: Anpfiff, Laufen, Toreschießen, Laufen, Torekassieren, Abpfiff.