UNTERM STRICH: Ehrlich am Ende des Tages

Stefan Zahler

Von Stefan Zahler

Sa, 19. Oktober 2019

Kolumnen (Sonstige)

Gut gemeint, schlecht gemacht und schon ist der Führerschein weg / Von Stefan Zahler.

"Wir müssen uns ehrlich machen." Ein typischer Politikersprech. Klar, pointiert, nichtssagend und inzwischen in der Mitte des Volkes fest im Sprachgebrauch verankert. Bundespräsident Steinmeier, vielleicht auch einer seiner Redenschreiber, hat diesen wuchtigen Satz in bester deutscher Dichter-Tradition zu Papier gebracht, bei dem man sich unweigerlich fragt: Warum sagt er nicht einfach: "Wir müssen ehrlich sein." Das wäre klar, denn eine weitere Frage poppt sogleich auf: Wie macht man sich ehrlich?

Um das und andere existentielle Dinge des Lebens rauszufinden gibt es zig Hilfsmittel. Cannabis zum Beispiel. Die Hanfpflanze gehört zu den bekanntesten Nutz- und Heilpflanzen. In China, so lehrt uns die Internetseite Drugcom.de, "wurde Hanf bereits im frühen 3. Jahrtausend v. Chr. angebaut und für die Herstellung von Kleidern und Seilen verwendet. Etwa seit 2000 v. Chr. wird es auch als Heilmittel eingesetzt... Als Rauschmittel hat sich Cannabis zunächst in Indien etabliert, als Bestandteil kultischer Handlungen."

Bei der Hanfmesse Cultiva bei Vössendorf in der Nähe von Wien treffen sich seit 2008 Freunde der Cannabis-Pflanze, um ihren Horizont zu erweitern. Es wäre an dieser Stelle vermessen zu behaupten, dass am vorigen Wochenende die Frage diskutiert wurde, wie man sich ehrlich macht, denkbar ist es aber.

Ehrlich sagen kann man, dass einigen Besuchern die Wirksubstanz THC zu Kopf gestiegen ist. Und zwar so, dass sie sich nach einer Meldung der österreichischen Kronen-Zeitung nach erfolgreichem Konsum ans Steuer ihrer Autos gesetzt haben, um die Heimreise anzutreten. Blöd: Vor der Tür gab es eine Polizeikontrolle, 161 Fahrer mussten ihren "Lappen" abgeben.

Leichtsinn, Dummheit, wie immer man das Verhalten bewerten will, jede Hanfpflanze hat zwei Seiten: Die Kiffer dürfen zwar nicht mehr Auto fahren, sie können sich dafür aber über eine weitere politisch-philosophische Floskel Gedanken machen. Was bedeutet eigentlich: "Am Ende des Tages..."