UNTERM STRICH: Erst eine Burg, dann ein "von"

Michael Neubauer

Von Michael Neubauer

Mo, 25. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Manche möchten gerne ein bisschen adliger heißen / Von Michael Neubauer von Freiburg.

Na, gerade geerbt und ein Haus gekauft? Oder eine Burgruine? Vielleicht im schönen Staufen oder in Badenweiler? Glückwunsch, ganz wunderbar. Da wäre es jetzt doch schön, wenn man noch den Namen anpassen könnte. Damit man quasi nicht nur immobilienmäßig aufsteigt, sondern auch familiennamentlich. Zum Beispiel: Richard Mensing von Staufen. Oder Beate Wanner von Badenweiler. Schon kribbelt es ganz adlig auf der plötzlich bläulichen Haut. Und man kriegt mit diesem Zusatz vielleicht sogar beim Orthopäden schneller einen Arzttermin.

So eine Namenspolitur plante eine Dame, die einen schweizerischen und einen russischen Pass hat und in Hongkong wohnt. Was für ein aufregender Doppelpass! Und dann noch Hongkong! Auf Partys ist man damit sicher immer das Gesprächsthema. Aber das reichte ihr nicht: Die 49-Jährige kaufte vor kurzem die Burgruine Glenbuchat in Schottland und beschloss, ab sofort ihren Nachnamen mit "of Glenbuchat" zu ergänzen – und den ihrer Tochter bitte auch. Beide ließen sowohl ihre chinesischen wie auch russischen Ausweispapiere ändern. Das ging, weil dort ein einfaches Meldeverfahren ausreicht, so Schweizer Medien.

Nun wollten Mutter und Tochter auch ihren schweizerischen Pass aufhübschen. Aber die Schweiz lässt nicht so schnell ein "of" in einen Pass rein: Dieser Namenspartikel sei schließlich gleichbedeutend mit dem deutschen "von". Die schweizerischrussischen Hongkongbewohnerinnen of Glenbuchat kamen mit ihrem Namenswunsch nicht durch – auch vor Gericht nicht: Es brauche achtenswerte Gründe für eine Änderung, man könne sich nicht selbst in den Adelsstand erheben. Selbst als die Frauen auf das "of" verzichten wollten und nur den Burgruine-Namen als Beiwerk forderten, blieben die Zürcher Richter hart.

Was soll’s. Die Damen haben ja noch ihre adelsaufgepeppten russischen und chinesischen Ausweise. Und sie besitzen eine Burgruine. Die allein reicht doch, dass man eine Spur von Adel vermutet.