UNTERM STRICH: Glück im Spiel, Pech danach

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Do, 21. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Warum ein Mann seinen Lottogewinn nicht behalten darf / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Ein Sechser im Lotto ist etwa so wahrscheinlich wie beim Spaziergang durch die Wüste einen Pudding auf den Kopf zu bekommen. Logisch, bei einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 13 983 816! Und doch passiert es, also das mit dem Sechser, – aber halt immer nur anderen. Rainer Henning aus Frankfurt ist so einer. Er hat die richtigen Zahlen angekreuzt, bei einem Systemtipp in einer virtuellen Tippgemeinschaft mit 201 anderen Spielern. Okay, der Gewinn selber war jetzt mit 24 000 Euro nicht so riesig, aber das Glücksgefühl vermutlich umso mehr.

Doch, leider leider, es währte nicht lange. Denn der Mann war überhaupt nicht spielberechtigt. Der Kioskbesitzer zockte nämlich in seinem eigenen Laden – und das ist laut Glücksspielstaatsvertrag verboten. Immerhin bekommt er seinen Einsatz in Höhe von 36,25 Euro zurück. "Hätte ich gewusst, dass ich nicht spielen darf, hätte ich das doch nicht gemacht", sagt der 71-Jährige. Aber der Mann, der seit 16 Jahren Lotto spielt, will unverdrossen weiter tippen. "Aus Fehlern lernt man", wird er zitiert. Respekt!

Falls ihn die entgangenen 24 Riesen doch ab und zu wurmen sollten, könnte er sich eine US-Studie zu Gemüte führen. Diese hat bereits 1978 festgestellt, dass Lottogewinner keineswegs glücklicher sind als Nicht-Gewinner – von dem einen Moment mal abgesehen. Doch unter – heute besonders angesagten – Nachhaltigkeitsaspekten ist es für das Glücklichsein völlig unerheblich, ob man im Lotto gewinnt oder durch andere Umstände ein reicher Schnösel wird. Denn das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, wie es der französische Schriftsteller André Gide einmal gesagt hat, sondern im Geben. Wenn es wirklich stimmt, dass Geben seliger ist denn Nehmen, dann wäre ein Sechser wiederum gut, um viel geben zu können. Wie auch immer: Man soll nicht vergleichen, denn das ist das Ende des Glücks und der Beginn der Unzufriedenheit. Deshalb halten wir es mit Aristoteles ("Glück ist Selbstgenügsamkeit") und begnügen uns mit uns selbst – ohne Sechser.