UNTERM STRICH: Kaffee für die Drachenmutter

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Mi, 08. Mai 2019

Kolumnen (Sonstige)

Ein Starbucks-Becher in "Game of Thrones" sorgt für Furore / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Wer in "Game of Thrones" eintaucht, beamt sich weit weg in eine magisch-mythisch-mittelalterliche Phantasiewelt. Dort sind die Stimmungen besonders düster, die Worte besonders gewichtig, die Entscheidungen besonders existenziell, Liebe und Hass besonders intensiv. Der Filmzyklus, der angelegt ist wie ein großes Gemälde über alle Tiefen und Untiefen des Menschseins, hat unzählige Fans. Sie mussten lange warten auf die letzte Staffel, die jetzt läuft und sie erlösen wird von der quälenden Frage, wer am Ende die Welt regiert. (So viel sei verraten: Trump ist es nicht.) Just in dieser Anspannung ist es passiert, etwas, was kein Irdischer und kein Untoter auf dem Schirm hatte: Auf dem schweren Holztisch, an dem die "Drachenmutter" Daenerys Targaryen sitzt, steht ein Becher, der so gar nicht mittelalterlich anmutet. Es ist ein Coffee-to-go-Becher von Starbucks.

Auf dem Spottplatz Internet geht’s nun zu wie bei der Schlacht der Bastarde um Winterfell. War es letztlich schlecht versteckte Werbung? Das wäre zu doof gewesen, obwohl ein Heißgetränk im kalten Winterfell durchaus Sinn machen könnte. Eine Starbucks-Sprecherin wehrte jedoch alle Spekulationen ab und wies darauf hin, dass rein werbetechnisch der Drachendrink dann stimmiger gewesen wäre. Die Filmemacher hätten auch sagen können, der Kaffee-Becher sei ein gewollter Verfremdungseffekt gewesen – wie in Filmen des italienischen Kultregisseur Federico Fellini. Aber nein. "Der Latte war ein Fehler", sagte "Game-of-Thrones"-Produzentin Bernadette Caulfield lapidar, fügte aber immerhin schmunzelnd hinzu: "Daenerys hätte Kräutertee bestellt."

Nun, wenn Archäologen mal im Jahr 3190 diesen Film finden sollten, könnte sich daraus ein spannendes Thema für eine Doktorarbeit ergeben – mit steilen Thesen zu Starbucks und dem Mittelalter. Ein anderes schönes Dissertationsthema könnte sein: Gab es zu Zeiten Winnetous schon Autos? Die fahren nämlich in "Der Schatz im Silbersee" im Hintergrund durch den Wald.