UNTERM STRICH: Kräht die App auf dem Mist...

Sonja Zellmann

Von Sonja Zellmann

Di, 29. Oktober 2019

Unterm Strich

Über das Kreuz mit der modernen Wettervorhersage / Von Sonja Zellmann.

Übers Wetter kann man immer reden. Und das nicht erst seit dem Klimawandel. Doch dieser soll hier ausnahmsweise nicht das Thema sein. Nein, es geht um die schnöde Wettervorhersage – für heute, morgen, übermorgen.

Früher war in dem Bereich alles noch recht einfach. Da hatte man Bauernregeln oder eine wetterfühlige Oma, Landwirte und Seeleute wussten aus Erfahrung, den Himmel zu deuten. Dann kamen Profi-Wetterprognosen in Tagesschau und Zeitung. Nicht immer richtig, aber zumindest meist unkompliziert eindeutig.

Und heute: Haben wir Wetter-Apps. Unzählige Wetterdienste verteilen sich auf noch mehr Applikationen. Es gibt alles, von der 45-Minuten- bis zur Monatsvorhersage und zurück, dazu massig Apps, die sich auf bestimmte Wetterphänomene oder Zielgruppen spezialisiert haben: auf Regen, Wind, Luftqualität und Gezeiten, auf Jagdwetter, Angel- oder Flugwetter. Da soll sich noch jemand auskennen. Zumindest die Apps, so scheint es, tun dies nicht. Denn sie schaffen es, dass das Wetter – ohnehin immer wieder neu, immer wieder anders – nun sogar zur gleichen Stunde am selben Ort variiert: Es gibt kaum einen Zeitpunkt, zu dem zwei Wetter-Apps für dasselbe Fleckchen Erde auch dasselbe Wetter vorhersagen. Laut einer Untersuchung von Computer-Bild geben einzelne Apps zudem noch unterschiedliche Prognosen ab, je nachdem ob sie auf einem iPhone oder einem Android-Handy installiert werden.

All das macht das Leben nicht leichter. "Gehen wir morgen wandern?" "Nee, du, meine App sagt: Regen bis 15 Uhr." "Quatsch, nach meiner gibt’s Sonne pur!" Es soll Leute geben, die sich von derlei Diskrepanzen den Tag versauen lassen. Und solche, die, noch während es bereits auf sie niedertröpfelt, mit starrem Blick auf die unfehlbare Wetter-App behaupten, Niederschlag sei heute keiner in Sicht. Wobei, eigentlich ist es mit der Wettervorhersage noch immer einfach: Ob mit App oder nicht, ändert sich’s Wetter oder’s bleibt, wie es ist.