UNTERM STRICH: Madrid, du (fast) grüne Stadt

Martin Dahms

Von Martin Dahms

Di, 05. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Der rechte Bürgermeister freut sich scheinheilig über den Klimagipfel / Von Martin Dahms.

Madrid José Luis Martínez-Almeida, der Bürgermeister Madrids, ist ein freundlicher Mann, dem man gerne jedes seiner Worte glauben möchte. Zum Beispiel diese aus Anlass der "großartigen Nachricht", dass der kommende UN-Klimagipfel Anfang Dezember von Santiago de Chile in die spanische Hauptstadt ausweichen wird: Der Gipfel sei eine "gute Gelegenheit, um unserer Verpflichtung im Kampf gegen die Luftverschmutzung Ausdruck zu geben". Klima und Umwelt seien "eine der großen Achsen der Zukunft der Menschheit". So spricht er.

Er handelt aber anders. Erst vor ein paar Tagen – sozusagen als Begrüßung für die Klimadelegationen aus aller Welt – kündigte die Stadtverwaltung den Rückbau eines Radweges im Norden der Stadt an, der dem Autoverkehr im Wege sei. Zwei andere Fahrradstreifen in der Nähe der Innenstadt sollen möglichst ebenfalls verschwinden, auch sie stören die Autos.

In Madrid gibt es kaum Radwege, weswegen auch selten jemand Rad fährt. Die vorige Stadtregierung unter der linken Bürgermeisterin Manuela Carmena versuchte mit dem Bau neuer Fahrradwege, Madrid für Radfahrer attraktiver zu machen. Der im Juni gewählte Almeida, ein Konservativer, hat dafür keinen Sinn. Er ist angetreten, um mit Carmenas Erbe Schluss zu machen. Deswegen ist er schließlich gewählt worden. Auch die meisten Madrider lieben ihr Auto mehr als das Klima. Eine der ersten Maßnahmen Almeidas nach seinem Amtsantritt war daher der Rückbau eines kleinen Stückes Fußgängerfläche im Feine-Leute-Viertel Chamberí. Er kam persönlich vorbei, um sich von den Nachbarn feiern zu lassen, die ein paar Parkplätze auf der Straße zurückgewonnen hatten, die ihnen von Carmena geraubt worden waren.

Danach wollte Almeida die Madrider Innenstadt wieder komplett für den Autoverkehr öffnen und die von Carmena eingeführten Zufahrtsbeschränkungen rückgängig machen. Ein Gericht untersagte den Unsinn. Klimapolitik findet in Madrid also gegen den Bürgermeister statt.