UNTERM STRICH: Malle für alle

Dora Schöls

Von Dora Schöls

Sa, 16. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Wie Deutsche an ihrer urdeutschen Kultur festhalten / Von Dora Schöls.

Es soll ja Landsleute geben, die lassen sich schon aus Prinzip nicht nehmen, was sie für urdeutsches Kulturgut halten. Sie wollen keinesfalls auf ihr Grundnahrungsmittel – das beliebte Hopfengetränk – verzichten, auch wenn sich die Leber über zu viel des Guten beschwert. Auch in Modefragen lassen sich diese Deutschen nicht reinreden und werden so regelmäßig zum Gespött anderer Strandtouristen, obwohl sie doch ohne die Socken in den Sandalen so furchtbar kalte Zehen bekämen.

Doch an das größte deutsche Kulturgut klammern sich diese Deutschen am kräftigsten. Die Rede ist natürlich vom Mekka aller Kulturliebhaber: Malle, kurz für die spanische Insel Mallorca. Die deutsche Enklave, die unverständlicherweise auch nach dem Vorschlag eines CSU-Hinterbänklers von 1993 einfach nicht zum 17. Bundesland werden wollte. Nun gut, davon lassen sich die Deutschen nicht abschrecken und verteidigen statt des Territoriums kurzerhand den Namen.

Jedenfalls macht das ein Beispieldeutscher so: Der Unternehmer Jörg Lück aus Hilden war schon vor einigen Jahren so schlau, sich den Begriff "Malle" als Marke schützen zu lassen (Enttäuschung für ganz findige Leser: Auch der Ballermann ist bereits als Marke gesichert). Seither mahnt der Unternehmer alle ab, die es wagen, mit diesem doch eigentlich so urdeutschen Kultur-Wort Geld zu verdienen: über CDs mit Malle-Hits, Malle-Werbung oder Malle-Partys.

Nun hat es einen Gastronomen aus Aschaffenburg getroffen, der "Malle für alle"-Partys organisiert hatte. Der Hildener Unternehmer verlangt von ihm 1800 Euro – doch der Gastronom wehrt sich. Geographische Begriffe sieht er nicht als schützbare Marken. Am Düsseldorfer Landgericht wird darüber seit gestern verhandelt. Bis zum Jahresende wollen die Richter entscheiden, ob Malle nun allen Deutschen gehört oder nicht. Eines werden sich die kulturverliebten Deutschen jedoch keinesfalls nehmen lassen: Die Freude an ihrer Kultur. Und dazu gehört auch die Streitkultur vor Gericht.