UNTERM STRICH: Ratlos zwischen Kartons und Kabeln

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Mo, 13. Mai 2019

Kolumnen (Sonstige)

Mit dem Umzug beginnt ein Kampf mit der Technik / Von Barbara Schmidt.

Als ob Umziehen nicht schon stressig genug wäre. Der Vorsatz, endlich auszumisten, wird doch wieder durch ein hektisches "Bloß noch alles irgendwie einpacken" abgelöst. Dinge, von denen keiner wusste, dass es sie überhaupt gibt, landen im Karton. Das Packen und Schleppen nimmt kein Ende. Die Kräfte schon. Doch irgendwann stehen tatsächlich alle Möbel und Kartons (waren es 100 oder doch nur 90?) in der neuen Wohnung. Das Gröbste scheint geschafft – welch ein Irrtum. Das Nervigste kommt erst noch. Und es beginnt ganz harmlos. Mit der Idee, rasch den Fernseher anzuschließen. Der Strom läuft, das Programm nicht. Warum? Der Sendersuchlauf tastet sich voran, die Minuten verrinnen, aber der Bildschirm bleibt schwarz. Kein Empfang. Warum nicht? Das Kabel steckt doch in der Antennendose! Ärger macht sich breit. Verzweifeltes Rütteln am Kabel, genervtes Suchen nach der Bedienungsanleitung. Dann keimt ein Verdacht auf: Hat das neue Haus überhaupt eine Antenne? Kabel? Satellit? Und versteht mein Fernseher die Signale? Ein neuer Anlauf, dieses Mal mit dem Radio. Aufgebaut, eingestöpselt, angeschaltet – Rauschen. Kein Empfang. Statt Musik flutet Ratlosigkeit die Wohnung. Früher war das ein Kinderspiel: Die Geräte in der alten Wohnung ein- und in der neuen auspacken, alle Kabel in die Buchsen – fertig. Heute gibt’s moderne Technik. Auch fürs Telefon: Der Anschluss sei das Neueste vom Neuen, hatte der Bauträger geschwärmt. RJ54. Oder war es RJ45? Jedenfalls so innovativ, dass weder die Telekom noch der Elektronikmarkt je davon gehört hatten. Und so natürlich auch nicht sagen konnten, ob das Telefon funktionieren würde. Die gute Nachricht: Das Telefon tut’s. Der Fernseher inzwischen auch, mit einem neuen Satellitenkabel. Und das Radio? Läuft jetzt mit einer Zimmerantenne, wie die Radios meiner Kindheit. Zumindest solange es noch UKW-Radio gibt. Darauf hatte der Hifi-Händler in der neuen Nachbarschaft vor dem Antennenkauf hingewiesen. Er ist jetzt schon mein Lieblingsnachbar.