UNTERM STRICH: Von Burgern und Botschaftern

Sebastian Kaiser

Von Sebastian Kaiser

Do, 16. Mai 2019

Kolumnen (Sonstige)

Wie McDonald’s die US-Vertretung in Österreich entlasten soll / Von Sebastian Kaiser.

Es hat ganz klein angefangen. Am 15. Mai 1940. Damals eröffneten die Brüder Richard und Maurice McDonald ein Restaurant im kalifornischen San Bernardino. Und von Hamburgern verstanden die beiden etwas – aus ihrer Burger-Bude wurde der umsatzstärkste Fast-Food-Konzern der Welt. Inzwischen dürfte es kaum eine größere Stadt geben, wo Reisenden nicht der Duft von Frittenfett im Zeichen des goldenen Ms in die Nase strömt. Und McDonald’s kann noch mehr. In Österreich sollen die Mitarbeiter der Fast-Food-Kette erste Anlaufstelle für US-Bürger in Not werden. Können US-Touristen künftig ein Big-Mac-Menü mit großer Cola und Visum bestellen? So weit wollen die Verantwortlichen nicht gehen. Wem aber Dokumente gestohlen werden oder wer seinen Pass verliert, kann sich an die Burger-Brater mit dem Hütchen wenden. Die sollen mithilfe einer 24-Stunden-Hotline den Kontakt zum Konsulat herstellen. Das sieht eine Vereinbarung zwischen der US-Botschaft in Wien und dem Unternehmen vor.

Diese Zusammenarbeit könnte wegweisend sein – vielleicht auch für Deutschland. Schließlich haben wir es mit US-Botschafter Richard Grenell nicht immer einfach. Der scheint mit der diplomatischen Etikette noch zu fremdeln, ist dem Vernehmen nach unhöflich und kommandiert seine Gastgeber gerne herum. Hier könnte McDonald’s mit einem Praktikumsplatz aushelfen. Über die Burger mag man streiten und über Fast Food in Zeiten des Klimawandels denken, was man will. Aber freundlich sind die dort immer.

Und überhaupt: Wären McDonald’s Filialen nicht die besseren US-Botschaften? Steht das Unternehmen nicht für den American Way of Life? Der amerikanische Journalist Thomas Friedman vertritt mit einem Augenzwinkern die These, dass ein Krieg zwischen zwei Staaten, in denen McDonald’s Filialen unterhält, extrem unwahrscheinlich sei. Mit Burgern zum Weltfrieden also? Das ist kein schlechter Gedanke.