UNTERM STRICH: Von der Trägheit der Masse

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Di, 16. Juli 2019

Kolumnen (Sonstige)

Neueste Experimente aus der Welt der Automobilität / Von Stefan Hupka.

Die Dinge halten nicht immer, was ihr Name verspricht. Das kennt man. Drucker, die nicht drucken, Rechner, die nicht rechnen, Beamer, die nicht beamen – und Lokomotiven, die sich nicht vom Fleck bewegen (obwohl das Wort aus lat. locus und movere genau dies behauptet). Das musste ein Fahrdienstleiter in der Nacht zum Montag in Westerstede erleben. Der Ort liegt nahe Ostfriesland, was für eine seriöse Zeitung natürlich keine Rolle spielen kann. Jedenfalls hatte der Mann am Stellpult eine einfahrende E-Lok irrtümlich auf ein falsches Abstellgleis dirigiert, eines ohne Oberleitung. Eine Rangierlok war nicht verfügbar, also spannte der 61-Jährige seinen Pkw vor das Hundert-Tonnen-Ungetüm und versuchte, das Rangieren der Lok zurück zur Stromleitung selbst zu erledigen. Um welche Automarke es sich handelte und ob er gar ein Werbefilmchen drehen und dem Hersteller verkaufen wollte, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass sich am Ende nicht nur die Lok nicht mehr bewegt hat, sondern auch das Auto nicht. Weil es im Gleisbett festsaß.

Dort hatte der Mann bis zum Eintreffen der Freunde und Helfer Zeit zum Nachdenken – über Trägheit und Masse und andere Gesetze aus dem Physikunterricht. Wie übrigens auch ein Leidensgenosse in Sachsen am selben Wochenende. Für den war nicht das Ziehen, sondern das Schieben die Option, damit sein Auto mobil bleibt. Er war auf der Autobahn mit leerem Tank liegengeblieben, da, wo sie in einer Baustelle einspurig war. Der Mann stieg aus und schob seinen trägen Wagen, bis er nicht mehr konnte. "Erst geht ihm der Sprit aus und dann auch noch die Puste", spottet dpa. Hinter ihm stauten sich die Autos mit mehr Sprit im Tank auf zehn Kilometer. Die Polizei beließ es dennoch gnädig bei einer Verwarnung. Dagegen muss ein falscher Sanitäter nun richtig büßen. Er war mit Blaulicht und Sirene durch München gerast – sollte aber den Wagen nur zur Werkstatt bringen. Ihm habe das "Lust bereitet", sagte er. Das Gericht zeigte sich lustfeindlich: Haftstrafe – wegen Amtsanmaßung.