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Andreas Bornemann beweist mit seinem Rücktritt Freiburger Teamgeist

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

Mo, 18. Februar 2019 um 12:33 Uhr

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Der Sonntag Nürnbergs scheidender Sport-Vorstand Bornemann hat sich so verhalten, wie er es in Freiburg gelernt hat: Man verrät keine Überzeugung und keinen Mitstreiter, solange man an beide fest glaubt.

Ist Michael Köllner ein guter Fußball-Trainer? Ehrliche Antwort: keine Ahnung. Vieles spricht jedoch dafür, dass der Manager, pardon: Sport-Vorstand, des 1. FC Nürnberg, Andreas Bornemann, große Stücke auf den Fußball-Lehrer hielt und hält. Mit Köllner als Coach und einer sehr jungen Mannschaft waren die Franken im Sommer überraschend in die Fußball-Bundesliga zurückgekehrt. Mit einem kostengünstigen Kader und auf teure Neuzugänge verzichtend versuchten seitdem Köllner und Bornemann für ihren finanziell klammen "Club" den Klassenerhalt zu schaffen.

Doch weil die Nürnberger derzeit Letzter sind, seit mehr als einem Dutzend Spielen nicht mehr gewinnen konnten, weil die Mannschaft unansehnlich spielt und die Gelegenheiten zum Punkten immer weniger werden, entschloss sich der Aufsichtsrat des Vereins, sich vom Trainer zu trennen. Möglicherweise ist dies aber nur die halbe Wahrheit. Komplett wird das Nürnberger Bild erst dann, wenn man weiß, dass Hauptsponsor und Medien den Aufsichtsrat drängten, das zu tun, was den "Mechanismen des Geschäfts" zufolge für ein Liga-Schlusslicht das Ziemende ist: den Trainer vor die Tür zu setzen.

Der Erfolg des Freiburger Modells ist ligaweit bekannt

Aber nicht mit Bornemann: Der Sport-Vorstand, der seinen Posten hätte behalten können, nahm in Nibelungentreue zum Trainer seinen Hut nach dem Motto: Ich glaube an die Kontinuität und nicht an einen allerletzten Strohhalm, der vielleicht gar keiner ist.

Bornemann hat sich in Nürnberg so verhalten, wie er es in Freiburg beim Sportclub zu üben gelernt hat: Man verrät keine Überzeugung und keinen Mitstreiter, solange man an beide fest glaubt. Manchem in Nürnberg dünkt dies als Sturheit, dabei ist der Erfolg des Freiburger Modells in der Fußball-Branche kein Geheimwissen, sondern schon längst zu einem Gemeinplatz geworden.

Doch ausgerechnet beim "Club", der schon so oft selbstverschuldete Krisen durchlitt, entschied man sich für den Crash-Kurs, nachdem man auch beim Mitkonkurrenten Hannover 96 verloren hatte. Ohne wirklich einen Trainer für morgen und übermorgen parat zu haben, geschweige denn einen Sport-Vorstand.

Im irrationalen Fußball ist vieles möglich; würde sich der 1. FC Nürnberg retten, wäre das Falsche das Richtige gewesen. Bornemann könnte nur entgegnen: "Das ist in Freiburg auch schon mal passiert."