Auf dem Niveau der Eintagsfliege, wenn es um vorausschauendes Handeln geht

Sören Klevenbrink (Weil am Rhein)

Von Sören Klevenbrink (Weil am Rhein)

Fr, 13. September 2019

Leserbriefe

Der Homo sapiens ist das Wesen mit dem höchstentwickelten Gehirn des Planeten. Aber so besonders hilfreich scheint es uns in der aktuellen Klima- und Umweltdebatte nicht zu sein. Dafür kann ich einige Belege liefern.

Erstmal wurde das Problem über Jahrzehnte nicht beachtet. Schon vor über 40 Jahren haben uns Realschullehrer über den Treibhauseffekt und die Grenzen des Wachstums aufgeklärt. Neu ist die Thematik also nicht. Aber richtig interessiert hat es auch kaum jemanden. Vielleicht erwartet man von unserer Gattung einfach zu viel. Geht es um vorausschauendes Handeln über einen längeren Zeitraum, scheinen wir jedenfalls eher auf dem Niveau der Eintagsfliege zu verharren. Dafür entwickeln einige Artgenossen erstaunliche geistige Fähigkeiten im Verleugnen wissenschaftlicher Tatsachen. "Der Klimawandel ist nicht menschengemacht", so ihr Motto. Ganz toll! Also lasst uns die letzten Wälder abholzen und weiter fleißig fossile Brennstoffe verheizen.

Ein Großteil der Menschen hält die Umweltproblematik zum Glück für real. Als Lösung haben viele von ihnen leider keine bessere Idee, als sämtliche Fortbewegungsmittel mit einem Elektromotor auszustatten. Ob das funktionieren wird? Ganz leichte Zweifel überkommen mich gelegentlich, wenn ich eine Horde E-Mountainbiker im tiefsten Wald antreffe oder mich in der Fußgängerzone ein brummender Roller fast über den Haufen fährt. War es nicht besser, als man sich wenigstens zeitweise mit Muskelkraft fortbewegte? Wahrscheinlich irre ich mich.

Ganz toll sind auch die geistigen Ergüsse jener politischen Akteure, die uns unentwegt weissagen wollen, die Umwelt sei allein mit technischen Erneuerungen zu retten. Natürlich ohne jeden Komfortverzicht! Worte wie Konsumreduzierung, Ressourcenschonung und Bescheidenheit, die gerade Anhänger einer grasfarbenen Partei einst benutzt haben, scheinen sich auf wundersame Weise aus ihren Köpfen verflüchtigt zu haben. Vielleicht während einer der vielen Flugreisen zu irgendeiner wichtigen Umweltschutzkonferenz.Sören Klevenbrink, Weil am Rhein