Tierschutz

Der Bauer macht auch die Narkose selbst

Hans Hanagarth

Von Hans Hanagarth (Sasbachwalden)

Fr, 12. Juli 2019

Leserbriefe

Zu: "Bauern sollen Ferkel betäuben dürfen", Beitrag von Bernhard Walker (Wirtschaft, 27. Juni)

Eberfleisch verschmäht der Gourmet und es landet eben nicht auf dem Teller; wegen des Ebergeschmacks. Ursächlich sind männliche Sexualsteroide, deren Bildung im Alter von fünf bis sieben Monaten einsetzt. Das Schlachtalter liegt bei sechs Monaten. Da der Bauer auf Geld keinesfalls verzichten will, hat man männliche Ferkel kastriert – kurz nach der Geburt, ohne Narkose. Den Tierarzt zwecks Entmannung zu bestellen, empfiehlt sich aus pekuniären Gründen nicht, also: Selbst war der Mann. Ohne Veterinär und Narkose, egal, es war legal.

Nun ist laut Tierschutzgesetz nur Schmerzbekämpfung bei der Kastration Pflicht – von Narkose keine Rede. Da ist nun Frau Klöckner (CDU), Bauerntochter konservativ-katholischer Herkunft, auf die Idee gekommen: Der Bauer macht auch die Narkose selbst. Und zwar mit dem chlorierten/fluoridierten Kohlenwasserstoff Isofluran. Die Sache ist sehr bemerkenswert, denn Isofluran ist nicht besonders schmerzlindernd. Dafür aber hat es Umwelttoxizität: Es bleibt über drei Jahre in der Atmosphäre (bei jährlich etwa 20 Millionen Kastrationen).

Es ist zudem eine Triggersubstanz der beim Zuchtschwein häufig vorkommenden Malignen Hyperthermie, eine durch allerlei Anästhetika und Muskelrelaxanzien verursachte Verschiebung des muskulären Calciums mit Fieber und Muskelstarre. Unbehandelt meist tödlich. Tierische Todesfälle beeinflussen den Fleischpreis. Landwirtschaftsministerin Klöckner mag von Weinbau Ahnung haben, von Naturwissenschaften und Umweltschutz: na ja!Hans Hanagarth, Sasbachwalden