Kinderrechte

Der Schutz von Kindern hat eben keine besonders große Lobby

Bertin Vater

Von Bertin Vater (Umkirch)

Di, 11. Juni 2019

Leserbriefe

Zu: "Beispiel für Wohlfühlpolitik", Beitrag von Christian Rath (Politik, 1. Juni)

2013 forderte die Unicef die deutsche Politik auf, die UN-Kinderechtskonvention aus dem Jahr 1989 in das deutsche Grundgesetz zu verankern, insbesondere da die aktuellen Familienformen in ihrer zunehmenden Heterogenität (zum Beispiel Auflösung von Großfamilien, Zunahme prekärer Lebenslagen) keinen ausreichenden Schutz für Kinder garantiere.

Dies wird seither, vor allem von CDU-Politikern, verhindert mit dem Hinweis, dass alle Menschen, auch Kinder, im Grundgesetz berücksichtigt seien. Stimmt auch – im Prinzip, für Kinder und Eltern aus geordneten und vernünftigen Verhältnissen. Aber was ist mit den anderen? Den Alessios? Dem Jungen aus Staufen? Einzelfälle? Per definitionem sind mehrere Einzelfälle keine Einzelfälle.

Diese spielen für Herrn Rath und die Politik offensichtlich keine argumentative Rolle mehr. Die Empörungskarawane ist weitergezogen und hat keinen negativen politischen Impact mehr auf Wahlen. Schon gar nicht auf Herrn Raths Journalismus, der getötete, missbrauchte und misshandelte Kinder nicht berücksichtigt. Lenzkirch? Staufen? War da was? Die BZ hat über diese Fälle doch ausführlich berichtet. Herr Rath sollte als Jurist zur Kenntnis genommen haben, dass 2017 durch das Bundesverfassungsgericht festgestellt wurde, dass Kinder erst nach Schädigung in ihren Familien (oder wenn eine Schädigung des Kindes mit Sicherheit zu erwarten ist) aus den Familien herausgenommen werden können.

Also sprichwörtlich erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dies entspricht einer Unterstützung des Geschäftsmodells sadistischer Pädosexueller. Es bedarf der Aufnahme von Kinderrechten in die Verfassung, nicht zuletzt auch deswegen, da es in der gerichtlichen Kinder- und Jugendpsychiatrie zunehmend Eltern gibt, die ihre Konflikte mit dem anderen Elternteil über Jahre und durch alle Instanzen auf dem Rücken der Kinder austragen und die Kinder, wie auf einem Bazar, zwischen den häufig hochstrittigen Parteien "aufgeteilt" werden, wie Geld, Haus, Auto, Schmuck.

Wer behauptet, dass die Kinderrechte in der Verfassung verankert seien, muss zur Kenntnis nehmen, dass der Schutz von Kindern keine große Lobby hat. Gerade kleine Kinder sind in Kinderschutzfällen bei Fehlentscheidungen der involvierten Fachkräfte in subakuter oder akuter (Lebens-)Gefahr und bedürfen des besonderen staatlichen Schutzes. Der Wert der Verfassung bemisst sich nach dem Schutz der Schwächsten. Bertin Vater, Umkirch