Hängebrücke Todtnau

Die Gemeinde will Millionen zur Naturverschandelung ausgeben

Werner Goettler

Von Werner Goettler (Freiburg)

Sa, 16. November 2019

Leserbriefe

Zu: "Für eine Hängebrücke", Meldung der Lokalredaktion (Politik, 30. Oktober)

Der Artikel, der es inzwischen auch schon in die Tagesschau-App geschafft hat, illustriert einmal mehr den täglichen bundesdeutschen Wahnsinn. Die Nachrichten auf der großen Bühne werden dominiert vom Klimawandel, Artensterben Verschmutzung von Wasser, Luft und Böden und was dagegen gemacht werden sollte, aber vor Ort konterkarieren Rathauschefs und eherne Verwaltungsvorschriften.

Ausgerechnet Todtnau, inmitten hochsensibler Hochschwarzwaldschutzgebiete und des Biosphärengebiets, wie so viele andere Kommunen finanziell klamm und daher nicht in der Lage, das teils marode Straßennetz zu sanieren, will Millionen zur Naturverschandelung ausgeben. Nachdem am Widerstand der Bürger der Plan einer massiven Bebauung am Radschert, einem der schönsten Aussichtsplätze des Südschwarzwalds gescheitert ist, also das nächste Großprojekt. Man rechnet mit 100 000 Besuchern pro Jahr – und natürlich werden die mit dem Auto anfahren. Der ohnehin im Sommer an Wochenenden infernalische Lärm durch Autos und Motorräder im Wiesental wird also zunehmen, Müll und Gestank ebenso. Profitieren werden vielleicht Kioskbetreiber und Gemeinde, wenn sie die letzte Blumenwiese für kostenpflichtige Parkplätze asphaltieren lässt.

Die Gästezahlen sind ohnehin auf Rekordniveau. Der offizielle Schwarzwaldtourismus wirbt mit Nachhaltigkeit, brüstet sich mit Vermeidung von CO2, hat den Fokus auf Naturliebhaber, Wanderer, Mountainbiker und Skiläufer. Die haben also bisher die hohen Gästezahlen generiert, und die soll man pflegen durch Unterstützung der Gastronomie, Ausbau des vorhandenen Wanderweg- und Radnetzes und auch des ÖPNV mit Fahrradtransport. Tagestouristen mit zigtausend Kfz sind aber das Gegenteil von nachhaltig. Werner Goettler, Freiburg