Wald

Dringend nötig wäre jetzt ein vorbeugendes Risikomanagement

Christian Klesse

Von Christian Klesse (Freiburg)

Sa, 14. September 2019

Leserbriefe

Zu: "Klimawandel im Fokus", Beitrag von Roland Muschel (Politik, 3. September)

In diesem Jahr also wieder und verschärft: ein Sturmtief, Trockenheit, lichte Baumkronen, ausfliegende Buchdrucker und Eichenprozessionsspinner, flächig Totholz im Forst – und Betroffenheit in der Bevölkerung, Wehklagen der Waldbesitzer, Bittermienen in der sich überrascht gebenden Politik. Und freilich die Ankündigung eines Forstministers, diesmal von Peter Hauk (CDU), Millionen würden bereitgestellt, um die Schäden zu beheben und dem Wald unter die Äste zu greifen. Wie 1990 nach den Stürmen Vivian und Wiebke, 1999 nach Orkan Lothar, 2003 nach Hitze und Dürre und 2018 nach Sturmtief Burglind, Glutwärme und massig Holzbohrern, dem Bodensatz des jetzigen Käferflugs.

Die Forstwissenschaft sagt uns genug dazu, wie ein Wald standortgemäß auszusehen hätte, der dem Teufelskreis aus Klima, Trocknis und Schädlingsbefall halbwegs trotzt. Wer wissen wollte, was zu tun wäre, wüsste und täte es längst. Der beforstete Wald könnte seit langem dabei sein, ein anderer zu werden. Zu befürchten steht, dass die Aufforstung der kahlgeschlagenen Böden zunächst das fördert, was wir kennen: Auf Freiflächen fühlen sich gerade junge Fichten, auch Kiefern oder Ahorn wohl; Tannen, Douglasien, Eichen oder Buchen dagegen gedeihen gut nur unterm Dach eines Altbestands. Daher stehen in den Wäldern nach jeder Kalamität aufs Neue viele Fichten.

Das reaktive Krisenmanagement der Forstpolitik wird uns erneut in der Gewissheit wiegen, alles werde gut. Die Abfuhr und Vermarktung von Schadholz und eine reine Wiederbegrünung aber sind zu wenig. Nötig wäre jetzt ein vorbeugendes Risikomanagement: Strukturen zu fördern, in denen Störungen langfristig unwahrscheinlicher werden, also etwa Risiken auf verschiedene Baumarten zu verteilen – und die Vorbereitung auf künftige Kapriolen. Es ist immerhin gut, dass Hauk mehr Stellen im Forst schaffen möchte. Ohne Forstwirte, die den Standort kennen und mit Herz und Können formen und pflegen, bliebe erst recht alles eine schöne, die Angst um den Wald kurz betäubende Absicht. Wir brauchen ihn doch, den Wald! Christian Klesse, Freiburg