Zweiter Weltkrieg

Lasst es nicht wieder geschehen!

Maria Sowa

Von Maria Sowa (Freiburg)

Di, 10. September 2019

Leserbriefe

Zu: "Steinmeier bittet um Vergebung", Beitrag von Ulrich Krökel (Politik, 2. September)

Mein Vetter war 18 Jahre alt und stand vor dem Abitur, als der Krieg begann. Selbstverständlich machte er sein Notabitur, um "Führer, Volk und Vaterland" dienen zu können. Er war stolz darauf, zur SS-Panzerbrigade "Heinrich Himmler" gezogen zu werden. Es muss im dritten Kriegsjahr gewesen sein: Ich kam aus der Schule, und wer saß da in unserem besten und bequemsten Sessel? Mein geliebter Vetter. Er hatte einen Kopfverband, und obwohl er mich herzlich begrüßte, hatte ich das Gefühl, dass er gar nicht richtig bei uns war. In der Nacht wachte ich auf, weil ich lautes Schluchzen hörte.

Ich schlich zur Tür und sah, dass meine Eltern, Onkel und Tante mit entsetzten Gesichtern auf meinen Vetter schauten, der mit flehend vorgestreckten Händen da saß und schluchzte: "Ich kann das nicht mehr, Mama, ich kann das nicht mehr". Meine Mutter sah mich und brachte mich zurück ins Bett. Eine Woche später kam meine Tante, sie hatte einen Brief in der Hand. Er war von meinem Vetter. In ihm stand nur "Mutter, bete für Deinen Sohn." Das Kreuz, das sie ihm zum Abschied mitgegeben hatte, war beigefügt. Dann erhielt sie die Nachricht: "Ihr Sohn ist auf dem Felde der Ehre für Führer, Volk und Vaterland gestorben. Wir haben ihn auf dem Feld der Ehre begraben". Sie hat es nicht geglaubt.

Nach dem Krieg kam ein Kamerad meines Vetters und erzählte, dass sie als erste den Angriff auf ein Dorf in Russland eingeleitet hatten. Als das Dorf, trotz heftiger Gegenwehr, eingenommen war, mussten alle Bewohner, Männer, Frauen, Kinder und Greise, ein Loch graben und sich davor aufstellen. Als der Befehl "Feuer" kam, sei mein Vetter aus dem Panzer ausgestiegen und mit geöffneten Armen auf die Bewohner zugegangen. Er sei mit ihnen erschossen und verbuddelt worden. So viel zum "Feld der Ehre". Lasst es nicht wieder geschehen! Maria Sowa, Freiburg