Russland

Putin ist das Produkt dieses Gesellschaftssystems

Wolfgang Hotzel

Von Wolfgang Hotzel (Freiburg)

Mi, 09. Oktober 2019

Leserbriefe

Zu: "Weniger Wodka, als viele denken", Gastbeitrag von Olga Chaban (Politik, 26. September)
Dieser Beitrag an so prominenter Stelle im ersten Buch der BZ veröffentlicht, verlangt nach Antwort. Sich mit allen "alternativen Fakten" von Olga Chaban auseinanderzusetzen, würde den Rahmen eines Leserbriefes sprengen.

Nur zu zwei Punkten: Zum Alkoholkonsum findet man nach kurzer Google-Recherche die Daten. Und die verorten Russland nach Weißrussland, Moldau und Litauen an vierter Stelle weltweit. Dass Frau Chaban ihre Erfahrungen auf "die Russen" überträgt, hat sie hoffentlich nicht in ihrem Praktikum bei der BZ gelernt. Alkoholmissbrauch ist in Russland ein gesamtgesellschaftliches Problem mit großen sozialen und ökonomischen Folgeproblemen. Mehr Deutsche mögen doch Russland besuchen, empfiehlt Frau Chaban. Es sei nun leichter, für Kaliningrad ein Visum zu bekommen. Eine eigenartige Destination, Russland zu besuchen. Ich war als Individualtourist in dieser Enklave. Es war in der Tat leicht, mit Visum hineinzukommen. Aber das Herauskommen war nur möglich nach Zahlung von 50 Euro Schmiergeld.

"Die Russen lächeln nur ihre Freunde und Bekannten an", wird die Gesamtheit des russischen Volkes beschrieben. Der Grenzbeamte, der das Schmiergeld von mir kassierte, lächelte mich jedenfalls freundlich an. Ich habe wohl einen russischen Freund gewonnen. Nein, Frau Chaban, so ist es nicht möglich, neue Freunde für Russland zu gewinnen. Und von Putin muss geredet werden, auch wenn Ihnen das vielleicht nicht recht ist. Putin ist das Produkt dieses Gesellschaftssystems, und dieses System braucht ihn, damit es denn auch gut geschmiert weiterhin funktioniert. Wolfgang Hotzel, Freiburg