Stellenspezial Ingenieure

Meist freie Auswahl

Daniel Cohen

Von Daniel Cohen

Fr, 11. Oktober 2019 um 19:27 Uhr

Anzeige Der Arbeitsmarkt für angehende Ingenieure bleibt vielversprechend. Doch welche Fähigkeiten müssen sie zukünftig mitbringen, um das Studium erfolgreich abzuschließen und anschließend für potenzielle Arbeitgeber at traktiv zu sein?

Intelligente Energiesysteme, das Internet of things, autonome Mobilität und die Industrie 4.0, hier liegt die technische Zukunft. Diese ist auf ein enges Zusammenspiel zwischen Hardware und Software angewiesen. Dafür sind Ingenieure mit Fähigkeiten im IT-Bereich immer gefragter. "An den Universitäten kommt man in den Ingenieurstudiengängen an Informatik nicht mehr vorbei", sagt denn auch Diego Thaller de Zarate. Der 23-Jährige hat an der dualen Hochschule Friedrichshafen Energie- und Umwelttechnik studiert und sieht sich auf die neuen Herausforderungen der Ingenieursbranche gut vorbereitet.

Trotzdem ist er der Meinung, dass es speziell bei intelligenten Energiesystemen noch lange dauern wird, bis man auf menschliche Mitarbeiter in der Wartung und Programmierung verzichten kann. "Deshalb möchte ich mehr handwerkliche Praxiserfahrungen an den Stromanlagen selbst sammeln", so De Zarate.

Der gebürtige Freiburger mit peruanischem Wurzeln ist erst seit kurzem mit dem Studium fertig und hatte seine erste Stelle durch die Vermittlung seines Ausbildungsunternehmens gefunden. "Initiativbewerbungen habe ich auch geschrieben, und ich habe Beratung von einer Vermittlungsfirma bekommen, die mich darüber informierte, welche Unternehmen nach Personal suchen. Die Rückmeldungen waren sehr positiv", sagt er.

Fünf freie Stellen je suchendem Ingenieur

Momentan ist er auf der Suche nach einer neuen Stelle und hat den Eindruck, dass viele Unternehmen in der Region nach neuem Personal suchen. Die Zahlen des Ingenieurmonitors für das erste Quartal 2019 des Vereins Deutscher Ingenieure und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln geben ihm Recht. So geht hervor, dass den rund 13500 ausgeschriebenen Stellen (Informatiker ausgenommen) in Baden-Württemberg etwa 2700 arbeitslos gemeldete Ingenieure gegenüberstanden. Dies bedeutet fünf frei Stellen pro arbeitslosem Ingenieur. In drei speziellen Bereichen fällt diese Zahl noch höher aus. Im Maschinen- und Fahrzeugsektor sind es 6,3 Stellen, in der Baubranche 8,2 Stellen und im Energie- und Elektrosektor sogar 8,8 Stellen je Arbeitssuchendem. Im bundesweiten Durchschnitt liegt die Zahl bei 3,6 freien Arbeitsplätzen.

Sollte der Bedarf an Ingenieuren in Zukunft nicht weiter steigen, ist eine Beruhigung des Arbeitsmarktes in Aussicht. Grund hierfür ist die Beliebtheit technischer Studiengänge, vor allem bei Männern. Unter deren Top Ten befinden sich mit Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Bauingenieurwesen vier Ingenieurstudiengänge.

Eine Untersuchung der Akademie der Technikwissenschaften zeigt, dass in den ersten sechs Semestern 21 Prozent das Studium abbrechen, weitere 16 Prozent wechseln den Studiengang. Hauptgrund für einen Abbruch sind wahrscheinlich die hohen Anforderungen, die an die Studenten gestellt werden. Aber nicht nur der Lernaufwand zur Erlangung des mit jeder neuen Entwicklung größer werdenden technischen Fachwissens ist groß. "Von den Universitäten werden auch immer mehr Managementkompetenzen gefordert, damit die Absolventen ihre Projekte zukünftig selbstständig leiten können", sagt De Zarate, der bei seiner ersten Stelle direkt als Projektleiter tätig war.

Obwohl sein Studium sehr zeitintensiv war, empfand er es nicht als übermäßig schwierig. Wer ein grundlegendes mathematisches und physisches Verständnis mitbringe und eine gewisse Hingabe für den Beruf hat, sollte seiner Meinung nach keine Probleme haben. "Wichtig ist, sich selbst keinen Leistungsdruck zu machen und sich trotz des Lernaufwands Freizeit zu gönnen", sagt er. Auch eine Karriere als Schauspieler hätte er sich vorstellen können. "Dafür ist aber viel Talent und Glück von Nöten, beim technischen Studium steht der Fleiß im Vordergrund. Damit hatte ich es selbst in der Hand."

Die Bezahlung und der Arbeitsmarkt hatten natürlich einen Einfluss. Fragen über das Einstiegsgehalt kamen jedoch erst während des Studiums auf. Die Antwort fiel mit durchschnittlich 48 000 Euro in der Energiebranche sehr positiv aus. Themen wie Energieverteilung und neue Speichertechnologien interessieren ihn am meisten und sind seine angestrebten Arbeitsfelder als Elektrotechnikingenieur. Vor allem Freiburg ist als Green City sehr attraktiv, was den Energiesektor angeht. "Wegen Forschungsinstituten wie dem Fraunhofer Institut, dem Zentrum für erneuerbare Energien sowie dem Energieanbieter Badenova ist Freiburg jedem in diesem Sektor ein Begriff", sagt De Zarate.

Seiner Meinung nach sammelt nicht nur Baden-Württemberg, sondern ganz Deutschland im Bereich der intelligenten Energiesysteme momentan viel Knowhow. "Bei Photovoltaik waren wir sehr weit, allerdings haperte es mit der Umsetzung, weswegen wir nun ins Hintertreffen mit China und Indien geraten sind. Bei Elektromotoren haben uns die Japaner überholt. Vielleicht waren wir Deutsche einfach zu stolz auf unsere Verbrennungsmotoren", sagt der junge Ingenieur.