Quartiersbefragung

Menschen in Landwasser leben gewissermaßen in verschiedenen Welten

Dieter Dormeier (Freiburg-Landwasser)

Von Dieter Dormeier (Freiburg-Landwasser)

Sa, 11. September 2021

Leserbriefe Freiburg

Zu den Berichten "Die Menschen wohnen in Freiburg so gerne wie noch nie" und "Mehr Verdienst, höhere Zufriedenheit" (beides in der BZ vom 8. September)

Die Bürgerinnen und Bürger von Landwasser kommen in der Zufriedenheits-Umfrage der Stadt Freiburg bei der Beurteilung, insbesondere von Sicherheit und sozialem Miteinander in ihrem Stadtteil, leider ganz schlecht weg.

Für das gesamte Stadtgebiet ist die überwiegend positive Einschätzung wohl repräsentativ, aber in Landwasser haben lediglich 44 von 140 Personen, die die Erhebungsbogen erhielten, ihre Bewertung abgegeben. Das sind lediglich 0,6 Prozent der Bevölkerung (circa 7000 Einwohner insgesamt); eine sehr niedrige Quote für Beurteilungen, die meines Erachtens nicht der Meinung der Bevölkerungsmehrheit entsprechen dürften.

Besonders auffallend ist die negative Einschätzung der Sicherheit, obwohl an "Runden Tischen" im Stadtteil von der Polizei immer betont wird, dass die Kriminalität in Landwasser "nicht auffällig" sei.

Auch bei der Bewertung des sozialen Miteinanders ist Landwasser auf den letzten Plätzen des Kommunal-Barometers zu finden. Dabei wird auf eine Korrelation zwischen der Bewertung der Sicherheit und der Vertrauenswürdigkeit der Menschen im Stadtbezirk verwiesen.

In den Gründungsjahren (ab 1966) hatte Landwasser eine ausgewogene Sozialstruktur der Bewohnerinnen und Bewohner. Heute gibt es einen Anteil von fast 50 Prozent an Menschen mit Migrationshintergrund. Die Integration der erwachsenen Neubürger hat sich trotz großer Bemühungen der Vereine und Institutionen leider kaum entwickelt, und so leben die Menschen in Landwasser gewissermaßen in verschiedenen Welten, meist auch mit unterschiedlichen Sprachen im täglichen Umgang. Wie soll sich Vertrauen bilden, wenn man sich praktisch nicht kennt? Daraus darf man jedoch kein Unsicherheitsgefühl herleiten!

Hoffnung auf gegenseitiges besseres Verstehen der kommenden Generation machen die jetzigen Schülerinnen und Schüler, die meist zweisprachig aufwachsen, gut miteinander auskommen, und denen Merkmale anderer Kulturen, wie Kopftücher, "schnuppe" sind.
Dieter Dormeier, Freiburg-Landwasser