Mit dem Fuß die Ohren verzaubert

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mo, 24. Juni 2019

Staufen

Bei Schwarzwälder Horntagen in Staufen begeistern der armlose Felix Klieser und viele andere Künstler mit ihren Darbietungen.

STAUFEN. In den vergangenen Tagen bestimmten wieder einmal die Klänge des Horns das musikalische Bild Staufens. Bei den Schwarzwälder Horntagen in der Musikakademie des Bundes Deutscher Blasmusikverbände (BDB) unter dem Motto "Hornissimo" zeigten internationale Hornisten ihre virtuosen Leistungen im Rahmen eines abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programms. Ein Besuch beim Eröffnungskonzert.

Der Leiter der BDB-Musikakademie, Christoph Karle, und der musikalische Leiter der Veranstaltung, Peter Arnold, begrüßten die in großer Zahl herbeigeströmten Freunde der Hornmusik und die Musiker der "Hornfamilie" mit herzlichen Worten. Mit dabei war wieder die Pianistin Yoko Müller-Takahashi, die als feinfühlige und souveräne Klavierbegleiterin nicht von den Horntagen wegzudenken ist.

Der Auftakt mit dem "Glottertäler Hornruf", dargeboten vom Palatina Hornensemble, stammt aus der Feder des langjährigen Spiritus Rector der Horntage, Peter Arnold. Was dann folgte war nichts weniger als eine Highlight-Show mit genialen Hornkünstlern. Ein besonderer Star des Konzerts war Felix Klieser, der ohne Arme geboren wurde und sein Instrument mit den Zehen des linken Fußes spielt. Mit dem bekannten Hornkonzert in Es-Dur von Mozart – hier mit Klavierbegleitung – hatte Klieser sich ein Stück ausgesucht, das mit anspruchsvoller Technik gespickt ist. Atemlos lauschte das Publikum der genialen Interpretation den jungen Musikers, der augenscheinlich auf dem Weg zu einer Weltkarriere ist.

Nach dem anmutigen Mozart stand ausgerechnet ein Stück von Karlheinz Stockhausen auf dem Programm. Nun ist Stockhausen, wie Peter Arnold zutreffend bemerkte, ein Klassiker unter den Modernen, und Solist Johannes Otter hatte es bei der Darbietung von "In Freundschaft" op. 46/3/4 ja auch mit Hörern zu tun, deren Ohren an Experimente gewohnt sind. Die manchmal abrupten Änderungen von Tonhöhen und Klangfarben, vereinigt zu einem fremdartigen und doch faszinierenden Ganzen, tauchten die Hörer nicht nur in ein exzentrisches Klangbad, sondern entführten auch in einen visionären Raum irritierender Gefühle.

Nach diesem Ausflug in das Stockhausen-Imperium ging es mit der Darbietung von Jacques-Francois Gallays "Caprice pur cor" op. 32 Nr. 10 wieder zurück in die Welt der traditionellen Klänge. Olivier Picon spielte das Stück auf einem Naturhorn – also ohne Ventile – und erstaunte mit dem Reichtum an Tönen, die er dem Instrument entlockte. Picon zeigte den Hörern danach nicht nur die Hand-Technik, mittels welcher diese Vielfalt erzeugt werden kann, sondern präsentierte auch den herrlich bemalten Innentrichter seines Horns.

Lustig, spritzig, voller Energie und mit schönen lyrischen Momenten spielten die argentinische Hornistin Mariela Rodriguez und Yoko Müller-Takahashi das Divertimento für Horn und Klavier von Jean Francaix. Ein reizvolles Beispiel dafür, dass Musik für Horn sowohl anspruchsvoll als auch mit einer Prise Humor gewürzt sein kann.

Ein zweites Motto der diesjährigen Schwarzwälder Horntage lautet "Horn Flakes", vielleicht eine Anspielung darauf, dass das Musizieren auf dem Horn ebenso gesund – wenn nicht noch gesünder – als das Frühstücken von Cornflakes ist. Das gleichnamige Stück stammt aus der Feder von Ralph Breitenbach, wurde arrangiert von Peter Arnold und mitreißend interpretiert vom Palatina Hornensemble und den musikalischen Gästen. Da ging mit Kolportagen von Jagdmusik und bekannten Filmmelodien die Post ab.
Ruhiger wurde es dann beim Vortrag von Alexander Glasunows "Rêverie" op. 24 für Horn und Klavier. Den Hornpart bot Christian Lampert mit anmutigen Klangfarben, subtiler Dynamik und lyrisch fein austarierten Elementen dar.

Das Finale mit "Final Countdown" von Joey Tempest, wieder in einem herrlichen Hornarrangement von Peter Arnold, bot ein fulminantes Miteinander von Palatina Hornensemble und den musikalischen Gästen. Arnold dirigierte mit Verve und übertrug sein geradezu überschäumendes Temperament auf das Ensemble und nicht minder auf das Publikum.

Das Eröffnungskonzert klang traditionell mit dem "Staufener Hornsignal" aus, ebenfalls eine Komposition von Arnold. Nach jeder Darbietung und ganz besonders am Schluss applaudierten die Hörer mit Begeisterung. Es war wieder einmal eine gelungene Präsentation der verschiedenen Genres, Klangfarben und Nationen, in denen das Horn zuhause ist.