Podiumsdiskussion

"Grüner Salon" diskutiert Musikerhaus am Freiburger Güterbahnhof

Rahel Schneider

Von Rahel Schneider

Mo, 17. Februar 2020 um 13:05 Uhr

Freiburg

Im Jazzhaus debattierte der "Grüne Salon" über das Musikerhaus, welches der Verein Multicore in Freiburg realisieren will. Auch Erfahrungen mit der Nürnberger Musikzentrale waren ein Thema.

Die Musiker-Initiative Multicore hat am Sonntagvormittag beim "Grünen Salon" über den dringenden Bedarf eines Musikerhauses bei einer Podiumsdiskussion im Jazzhaus diskutiert. Sie will Druck auf die Stadtverwaltung ausüben, die das Projekt nicht konsequent genug verfolge. Unterstützung bekamen sie von dem Geschäftsführer der Musikzentrale in Nürnberg, ebenso wie von Vertretern der Freiburger Popkultur.

In Nürnberg gibt es bereits eine Musikzentrale – und positive Erfahrungen

Wenn es nach dem Vorbild der Musikzentrale in Nürnberg geht, würde ein ähnliches Angebot der Freiburger Kulturszene einen ordentlichen Schwung geben: Steigende Besucherzahlen, kulturelle Bildung und die Förderung des Tourismus sind nur einige der zentralen Punkte, die Geschäftsführer Sebastian Wild in seinem Erfahrungsbericht aufzählt. Anfangs sei der Verein weitestgehend durch ehrenamtliche Helfer aufgebaut worden, so Wild.

Der Vorsitzende von Multicore, Franck Mitaine, zeigt sich mit Hinblick auf die Zentrale in Freiburg zuversichtlich: "Musiker, die einen Mehrwert für sich sehen, werden sich auch bei unserem Projekt ehrenamtlich engagieren". Aber ganz ohne Zuschüsse der Stadt gehe es nicht. Die Kosten der Nürnberger Variante mit 93 Proberäumen in vier verschiedenen Gebäuden – zurzeit rund 130.000 Euro jährlich – übernähmen zu einem Viertel die Stadt und das Jugendamt, erklärt Wild. Die übrigen Kosten werden durch die Mieteinnahmen, Workshops und weitere Angebote getragen.

Multicore will alles unter einem Dach – und 60 bis 70 Bands einen Proberaum

Für das Multifunktionsgebäude in Freiburg sind derzeit 35 Proberäume, ein Veranstaltungssaal mit Gastronomie und ein Tonstudio auf insgesamt 2665 Quadratmetern geplant. Der städtebauliche Vertrag sieht zudem einen Bolzplatz auf dem Dach des mehrstöckigen Gebäudes vor sowie Räume für die Quartiersarbeit. Multicore plädiert für den eigenen Entwurf, der alle Räume unter einem Dach vereint. Beim neuen, abgespeckten Konzept der Stadtverwaltung bestehe die Gefahr einer "Reduktion des Potentials". Der stellvertretende Multicore-Vorsitzende, Rainer Rieckmann, betont: "Auf lange Sicht gesehen ist eine gute Konzeptumsetzung günstiger als ein unzureichendes Angebot". Schon jetzt verzeichnet Tilo Buchholz von der Anlaufstelle Pop-Support Freiburg eine Warteliste mit 60 bis 70 Bands, die auf Proberäume warten.

In Freiburg sei die Musikerdichte hoch, weshalb die Anzahl der Proberäume realistisch sei. "In Nürnberg ist der Andrang momentan so groß, dass Bands bis zu drei Jahre auf einen Raum warten müssen", so Wild. Die Sprecherin der Grünen Jugend, Lena Fischer, sieht in der neuen Musikzentrale keine Konkurrenz für die schrumpfende Clubszene in Freiburg, im Gegenteil: "Das Ausgehverhalten junger Leute wird wieder zurückkehren, wenn es das richtige Angebot gibt". Die Befürchtung nach Konkurrenz gab es auch in Nürnberg, so Geschäftsführer Wild. Doch die Besucherzahlen hätten bewiesen, dass "der Neubau für das kreative Image der Stadt sehr förderlich ist". Der Durchschnittsmietpreis für Bands liege aktuell bei 8,50 Euro pro Quadratmeter und Monat. In Freiburg hingegen "werden Bands ausgenutzt und die Preise steigen weiter in die Höhe", kritisiert Deborah Ewert von Multicore. "Auftrittsräume ohne finanzielles Risiko" fordert auch die Sprecherin der Grünen Jugend.

Multicore erarbeite gerade ein Betreiberkonzept, mit dem sich "das Haus weitestgehend selbst tragen kann", so Ewert. Es sei "mehr als angemessen", auf dem Güterbahn-Areal neue Proberäume zu schaffen, da dort zugunsten der Stadtteilerschließung mehr als 60 weggefallen seien. Zudem sei das Gelände durch die Radvorrangroute FR 2 sehr gut zu erreichen. Auf die Frage von Stadtrat Timothy Simms, welche Fehler man in Freiburg vermeiden sollte, antwortet Sebastian Wild: "Am Besten wäre ein interdisziplinäres Konzept mit Zusammenarbeit der einzelnen Dezernate". Moderiert wurde die Veranstaltung von den Grünen-Stadträten Anke Wiedemann und Timothy Simms.

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