Gerührt, nicht geschüttelt

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Do, 14. November 2019

Müllheim

Der Musikverein Hügelheim begeisterte beim Jahreskonzert mit seinen Darbietungen unter dem Motto "Adel mal anders".

MÜLLHEIM-HÜGELHEIM. Rappelvoll war die Festhalle beim Jahreskonzert des Musikvereins Hügelheim. Unter dem Motto "Adel mal anders" präsentierten die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung ihres Dirigenten Andreas Schupp ein unterhaltsames und anspruchsvolles Programm.

Vorstandsmitglied Andrea Gantert erklärte den Zuhörern in ihrer Begrüßung, dass der Adels-Slogan sich auf Künstler und Komponisten beziehe, die durch ihre erfolgreichen Leistungen "geadelt" seien. Zum Auftakt erklang die Komposition "Alcazar" des niederländischen Komponisten Llano, der sich von der gleichnamigen spanischen Burg aus der Zeit der maurischen Kultur zu dem Titel inspirieren ließ. Das Orchester entführte mit seiner klangmächtigen Interpretation auf einen Spaziergang durch das nächtliche Sevilla mit Anklängen temperamentvoller Flamencotänze und dem Klappern von Kastagnetten. Feierliche und nocturne Phrasen wechselten mit der turbulenten Atmosphäre einer Fiesta, und das alles mündete in eine furiose Schlussszene.

Als nächstes stand die Musik zum Walt-Disney-Film "Aladdin" in einem Arrangement von Paul Jennings auf dem Programm. Die musikalische Umsetzung des bekannten Märchens wurde vom Musikverein mit zauberhaften orientalischen Akzenten, martialischen Intermezzi und besinnlicher Liebesmelodik umgesetzt – ganz im Stil einer großen Hollywood-Inszenierung.

Anders als der Martini von 007 wurde das Publikum bei der Darbietung von "James Bond 007" gerührt, nicht geschüttelt, einem Medley von Johan de Meij, das die bekanntesten Songs aus den Filmen des wohl berühmtesten fiktiven Geheimagenten aller Zeiten aneinanderreihte. Von "Octopussy" über "Dr. No" bis hin zu "Goldfinger" entführte der Musikverein sein Publikum mit jeder nur erdenklichen bläserischen Dramatik in den aufregenden Kosmos des unbesiegbaren Filmhelden "im Auftrag ihrer Majestät". Die gewaltigen Klangbilder riefen bei James-Bond-Fans spannende Szenen aus den bekannten Filmen in Erinnerung.

Dem Orchester geradezu auf den Leib geschrieben

Mit der Darbietung von "Semper fidelis" ehrte das Orchester den "Marsch-König Amerikas", John Philip Sousa. Der zünftig vorgetragene Marinemarsch des 1888 geborenen Komponisten war ein Schmankerl für alle Freunde der traditionellen Marschmusik.

Nach der Pause ging es weiter mit dem Vortrag der "Bohemian Rhapsody" von Freddie Mercury. Dieser Hit der Rock-Band Queen gab dem Musikverein Gelegenheit, alle Register seines großartigen technischen und gestalterischen Könnens zu ziehen. Das Arrangement von Philip Sparke, das dem Original so nahe wie möglich kommt, war dem Orchester geradezu auf den Leib geschrieben.

Mit der Komposition "Lord Tullamore" von Carl Wittrock unternahm der Musikverein mit seinen Hörern eine facettenreiche nuancierte Reise nach Irland. Auch dieses komplexe Stück stellte hohe Anforderungen an die Musikerinnen und Musiker. Es wechselte von lebhaften Volkstänzen zu geheimnisvollen Klangelementen und faszinierte durch seine interessante Rhythmik.

Der "King of Rock ’n’ Roll" erhielt mit "Elvis in Concert", einem von Peter Kleine-Schaars arrangierten Medley der bekanntesten Hits des unvergesslichen Musikers aus Memphis, eine herrliche Hommage. Sieben Minuten lang ließen sich die Hörer vom Orchester in eine wahre Elvis-Trance versetzen.

Mit dem "Bruckerlager"-Traditionsmarsch von Johann Nepomuk Kral, arrangiert von Sepp Tanzer, ging das Konzert ins Finale. Aber danach war der Applaus so stürmisch, dass der Musikverein noch Zugaben gewähren musste. Eine witzige Mundstück-Demonstration von "O sole mio" der Trompeter rief viel Gelächter hervor. Dann musste das Orchester zweimal "Guten Abend, gute Nacht", spielen, bis das Publikum zufrieden war.

Neben den hervorragenden Leistungen des Tutti und der verschiedenen überzeugenden Orchestersolisten müssen die drei tollen Schlagzeuger hervorgehoben werden, die an diesem Abend wahrhaft alle Hände voll zu tun hatten. Für eine witzige, informative und charmante Moderation sorgte Klarinettist Stefan Regh. Adelsgerecht war auch die Saaldekoration mit goldenen Lichtern, Kronen und roten Schleifen hergerichtet, und sogar die Speisekarte und die Angebote in der Bar waren vom Konzertmotto inspiriert. Über die Ehrungen berichten wir gesondert.