Solidar-Kundgebung in Müllheim

ehm,hub

Von Susanne Ehmann & Alexander Huber

Fr, 20. September 2019

Müllheim

Zum weltweiten Klimastreik-Tag zeigt sich auch im Markgräflerland, dass die Debatte die Gesellschaft an vielen Stellen bewegt.

MARKGRÄFLERLAND (ehm/hub). Der Klimawandel bewegt die Gemüter. Besonders deutlich werden soll das beim weltweiten Klimastreik-Tag am Freitag. Eine große Demo findet ab 10 Uhr in Freiburg statt, dort werden auch viele Teilnehmer – Schüler wie Erwachsene – aus dem Markgräflerland erwartet. Doch auch in Müllheim ist eine Aktion geplant: Die Agus Markgräflerland und das Aktionsbündnis "Fessenheim stilllegen. Jetzt!" laden auf 14 Uhr zu einer Solidar-Kundgebung auf dem Markgräfler Platz ein.

Etwa eine Stunde lang werde man sich versammeln, erklärt Jürgen Hauke, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (Agus). Von den Initiatoren werde es kurze Redebeiträge geben, danach wolle man das Mikrofon freigeben für spontane Wortmeldungen von Teilnehmern. Dazu sei eine kleine musikalische Umrahmung geplant.

Wie sehr die Diskussion um den Klimaschutz inzwischen den politischen und gesellschaftlichen Alltag bestimmt, zeigt sich an vielen Stellen. So haben etwa die meisten Kandidaten zu den Bürgermeisterwahlen in Müllheim und Badenweiler die lokalen Klimaschutzbemühungen in ihrer Agenda ganz nach oben gerückt. Welche konkreten Ideen sie da jeweils entwickeln, dürfte zu den Themen gehören, die viele Bürger besonders interessiert.

Mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet man als Anbieter regenerativer Energien bei den Stadtwerken Müllheim-Staufen die Entwicklung. "Die Hoffnung ist groß, dass sich aus einem fast eingeschlafenen Pflänzchen wieder etwas entwickelt", sagt Geschäftsführer Jochen Fischer. Die Stadtwerke sind, ebenso wie die Badenova, Mitglied im Freiburger Verein CO2-Abgabe, der am Mittwoch eine Pressemitteilung herausgegeben hat, in der die Forderung nach einem einheitlichen CO2-Preis bekräftigt wird, bei dem auch der Stromsektor mit einzubeziehen sei. "Wir unterstützen als regeneratives Stadtwerk die Einführung eines einheitlichen CO2-Preises, da dies die dringend erforderliche Sektorkopplung befördert und sowohl dem Strom- und Wärmemarkt wie auch dem Mobilitätssektor entscheidend hilft", wird Fischer in der Pressemitteilung zitiert.

Anknüpfend an die geplante Kundgebung auf dem Markgräflerplatz verweist Fischer auf das Kundenbüro der Stadtwerke in der Fußgängerzone, wo man sich an diesem Tag speziell zu Klimaschutz- und Effizienzthemen beraten lassen könne.

Ausgangspunkt für die Fridays-for-Future-Demonstrationen waren bekanntlich die Schüler, und weiterhin bleibt das Thema an den Schulen virulent, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen. Sehr viele Pädagogen sehen die Bewegung mit Sympathie, halten sich aber mit öffentlichen Solidaritätsbekundungen zurück und versuchen eher die Themen Klimawandel und Klimaschutz verstärkt in den Schul- und Unterrichtsalltag einzubauen.

Das geht schon an den Grundschulen los, wie Barbara Dobuszewski, Leiterin der Michael-Friedrich-Wild-Grundschule in Müllheim, berichtet. Einige wenige Schüler nähmen mit ihren Eltern am Freitag an Kundgebungen teil – das habe man ausnahmsweise genehmigt, weil es diesmal etwas Besonderes sei. Aufgabe der jungen Klimastreik-Teilnehmer: Hinterher in ihren Klassen von den Erfahrungen berichten.

Wichtig ist Dobuszewski aber vor allem das Verankern von Umwelt- und Klimaschutzthemen im Alltag der Kinder – und das schon in jungen Jahren. "Unsere Schüler fühlen, dass da was los ist. Sie sind sehr sensibel für diese Themen und wollen selbst tätig werden." An der Friedrich-Wild-Grundschule wird schon seit geraumer Zeit Schülermitbestimmung in regelmäßig stattfindenden Kinderparlamenten praktiziert. Und in diesem Forum wurden auch die Themen Umwelt- und Klimaschutz deutlich von den Schülern zur Sprache gebracht. Für das Lehrerkollegium war das der Anstoß, ein eigenes pädagogisches Konzept zu diesen Themen auszuarbeiten, das unter anderem in Projekttagen seinen Niederschlag finden soll, berichtet Dobuszewski.

Schüler des Kreisgymnasiums Neuenburg (KGN) nehmen ganz konkret an der Demonstration in Freiburg teil. Nachdem sie selbst schon zwei nachmittägliche Fridays-for-Future-Demonstrationen in Neuenburg organisiert haben (die BZ berichtete), eine Schülerin zudem im Organisationsteam in Freiburg tätig ist, rechnet man damit, dass etwa 50 Schüler des KGN auch am heutigen Freitag streiken.

"Es ist eine politische Erfahrung, die sie machen", sagt Schulleiter Rainer Kügele dazu. Eine Befreiung kann die Schule nicht erteilen, von denen, die streiken, wird aber erwartet, dass sie als Ausgleich an selbst organisierten Workshops am Nachmittag teilnehmen. Dieses Verfahren habe sich bewährt, sagt Kügele. Wichtig ist auch: Schüler oder Eltern sollen morgens anrufen und Bescheid geben. Damit klar ist, wo die Schüler sich befinden.

Solidar-Kundgebung auf dem Markgräfler Platz in Müllheim am heutigen Freitag, 20. September, 14 Uhr.