Musik für die dunkle Jahreszeit

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 31. Juli 2020

Bad Säckingen

Die Bad Säckinger Kammermusik-Abende warten ab dem 27. September mit namhaften Ensembles und Solisten auf.

. Auch in Corona-Zeiten will das Tourismus- und Kulturamt Bad Säckingen mit einer hochklassigen Kammermusik-Saison 2020/21 aufwarten. Fünf Konzerte mit namhaften Ensembles und Solisten plus eine Sonderveranstaltung sind im Kursaal geplant. Die 74. Saison der Kammermusik-Abende, die am 27. September beginnt, zeigt sich weltoffen und stellt Komponisten aus vier Kontinenten vor.

"Wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht über die Veranstaltungen im Kursaal", sagte Amtsleiter Thomas Ays, der zusammen mit Kulturreferentin Christine Stanzel den kommenden Zyklus vorstellte. Die Sicherheit und Gesundheit der Besucher haben für die Veranstalter höchste Priorität. Man müsse in dieser Saison flexibel sein, immer "auf Sicht fahren" und die Entwicklungen in der Corona-Situation beobachten, um darauf zu reagieren, so Ays. "In der dunklen Jahreszeit braucht man Musik. Ohne die tolle Kammermusik würde es ein düsteres Bild abgeben", so Ays. Nach aktuellem Stand sind 250 Zuhörer im Kursaal erlaubt. Wenn die Regelungen ab Oktober weiter gelockert würden, könnten es maximal auch 300 sein. Doch im Moment geht man von 250 aus. Da die Reihe derzeit 231 Abonnenten hat, könne man kaum oder keine zusätzlichen Einzeltickets verkaufen. Die Abonnenten haben Vorrang.

Wie Stanzel sagt, werden in der ersten Augusthälfte die Programmbroschüren verschickt. Und dann warte man auf die Rückmeldungen der Abonnenten. Bisher habe es keine einzige Rückgabe von Abos gegeben, so Stanzel. Sie und Ays sind dankbar für die Solidarität und Wertschätzung von Seiten der Kammermusik-Abonnenten. Die meisten hätten ihren Abo-Anteil an dem wegen Corona abgesagten Abschlusskonzert der vorigen Saison gespendet. Umso mehr freut sich Stanzel, den Musikfreunden, die aus einem Einzugsgebiet von Küssaberg bis Grenzach-Wyhlen kommen, eine "exklusive Saison" bieten zu können.

Ein roter Faden sind Werke von Beethoven anlässlich des 250. Geburtstags des Klassiktitanen. Doch auch die Gegenwartsmusik findet ihren Platz im weit gespannten stilistischen Spektrum. Zum Auftakt gastiert am 27. September das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter Leitung von Case Scaglone. Solist ist der franko-kanadische Spitzen-Saxophonist Daniel Gauthier. "Saxophon ist etwas Seltenes in der Kammermusikreihe", so Stanzel. Aufgeführt werden Werke von Brahms, Milhaud, Schönberg und Glasunow.

Am 8. November gibt es ein Wiederhören mit dem Vision String Quartet aus Berlin, das weltweit auftritt. Die vier Streicher sind für ihre unkonventionellen Auftritte berühmt, spielen im Stehen und benutzen die Geige auch mal wie eine Gitarre. Sie kombinieren Beethoven mit Gegenwartsmusik und interpretieren auch Jazz und Pop. Einen Klavierabend der Spitzenklasse darf man am 17. Januar erwarten, wenn der aus Sibirien stammende Pianist Sergey Tanin im Kursaal Bach, Beethoven und Schumann spielt. Tanin hat beim internationalen Concours Géza Anda 2018 den dritten Preis und den Publikumspreis gewonnen. Im Vorfeld läuft der Film "Der Pianist, der aus der Kälte kam". Zum siebten Mal tritt Kinderkanal-Moderator Juri Tetzlaff in der Reihe auf. Am 21. März wird er zusammen mit dem Blechbläserensemble "Mannheim Brass" die Suite aus dem Musical "West Side Story" von Leonard Bernstein kindgerecht aufführen und den kleinen und großen Zuschauern diese tragische Liebesgeschichte aus New York näher bringen. Im zweiten Teil spielt das Brassquintett Werke von Piazzolla und Bernstein. Zum Abschluss ist am 18. April das Trio Messina in der seltenen Besetzung Klarinette, Cello und Klavier zu erleben. Ihr Programm verbindet Beethoven mit zeitgenössischen Komponisten wie Arvo Pärt.

Als besonderes Dankeschön an die Abonnenten ist die Sonderveranstaltung am 3. Dezember gedacht. Die Schauspielerin Pegah Ferydoni, bekannt aus dem Film "Türkisch für Anfänger", spielt, singt und rezitiert das persische Epos "Konferenz der Vögel". Begleitet wird sie von der Berliner Lautten Compagney auf alten Instrumenten sowie von persischen Gastmusikern. Die Programme werden ohne große Pause durchgeführt. Rechtzeitig zur neuen Saison präsentiert sich der Kursaal frisch renoviert, mit neuem Boden, neuen Stühlen, teilweise neuer Bühne.

Ein großer Dank von Ays und Stanzel gilt den treuen Sponsoren, dem Vorstandsvorsitzenden Werner Thomann von der Volksbank Rhein-Wehra Stiftung, die von Anfang an die Reihe unterstützt, und Annemarie von Ehr, die "mit großem Enthusiasmus" die Reihe fördere. Von Ehr zeigte sich begeistert von der Qualität der Konzerte: "Ich finde es großartig, dass man so gute Musiker hierher bringt".