Jugend und Beruf

Mut und Zuversicht für das neue Ausbildungsjahr

Amelie Breitenhuber

Von Amelie Breitenhuber (tmn)

Fr, 17. September 2021 um 11:19 Uhr

Wie sich Ausbildung und Schule künftig gestalten – Experten sind verhalten optimistisch

Während der Corona-Pandemie fand die Berufsausbildung unter erschwerten Bedingungen statt. Nun beginnt ein neues Ausbildungsjahr. Worauf müssen sich angehende Azubis einstellen?

Nun starten wieder zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene in ihre Berufsausbildung. Sie haben anstrengende Monate hinter sich: Das Leben, die Schule, die Prüfungen – alles spielte sich unter Pandemie-Bedingungen ab. Was erwartet angehende Azubis in der Zukunft?

"Das ist der Blick in die Glaskugel", sagt Joachim Maiß vom Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB). Er gehe derzeit aber davon aus, dass das neue Schuljahr im Normalbetrieb beginnt. "Im vergangen Jahr hatten wir fast nur Distanzunterricht, jetzt wird wieder umgestellt."

Daniela Wilke, Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit in der Region Berlin-Brandenburg, sagt, es sehe " sehr gut aus, dass Ausbildungen wieder in Betrieb und Schule stattfinden können." Man wisse aber nicht, wie sich die Pandemiebedingungen zukünftig verändern könnten.

Was Distanzunterricht und digitale Lehrformate angeht, seien die Voraussetzungen zum Teil noch sehr unterschiedlich. "Hinsichtlich der technischen Ausstattung haben die berufsbildenden Schulen durch Corona auf jeden Fall einen Schub bekommen, und teilweise fünf Jahre gewonnen", so Maiß. Bei Schülerinnen und Schülern zu Hause gebe es aber zum Teil massive Probleme, etwa was stabile Internetverbindungen oder die Ausstattung mit Endgeräten angeht.

"Es ist außerdem noch viel zu tun, um alle Lehrkräfte wirklich fit zu machen beim Thema E-Didaktik. Da stehen wir und auch die Wissenschaft noch ganz am Anfang", sagt Maiß. Es gebe großen Bedarf in der Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Wer sich Sorgen macht, ein "Corona-Abschluss" während der Pandemie könnte jetzt ein Makel sein, den kann Maiß beruhigen. "Wir rechnen gar nicht damit, dass es fachlich so große Probleme gibt. Und da, wo Lernlücken entstanden sind, können diese im Berufsschulalltag schnell aufgeholt werden."

Maiß, der selbst Schulleiter in Hannover ist, sieht größeren Nachholbedarf bei den sozialen Kompetenzen. "Sie wollen eigentlich Verkäuferin werden, hatten aber in den vergangenen Monaten keinerlei Möglichkeit, sich in sozialer Interaktion zu erproben. Kommunikation lernt man aber nur live", illustriert er an einem Beispiel.

Sollten Azubis bemerken, dass sie große Probleme haben, fachlich hinterherzukommen, können sie sich Unterstützung holen. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit oder das Jobcenter könnten ebenso wie die Berufsschule zum Beispiel zu den sogenannten "ausbildungsbegleitenden Hilfen" (abH) beraten, erklärt Daniela Wilke. "Im Grunde ist das Förderunterricht."

Schülerinnen und Schüler bekommen etwa Nachhilfe in Fachtheorie oder Unterstützung bei der Vorbereitung auf Prüfungen. "Es gibt nach Absprache mit dem Betrieb auch die Möglichkeit, die Ausbildung etwa um ein halbes Jahr zu verlängern", so Wilke.

Generell spricht Joachim Maiß angehenden Berufsschülerinnen und -schülern Mut zu. "In berufsbildenden Schulen kommen Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungen zusammen, da hat jemand einen schwachen Hauptschulabschluss, ein anderer Abitur." Gemeinsam hätten sie die Leidenschaft für den Beruf. Aufeinander zuzugehen sei Grundelement der berufsbildenden Schulen. Es gehe darum, Menschen fit für die Berufswelt zu machen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen zu erkennen. "Und genau das machen unsere Lehrkräfte vom ersten Tag an. Dabei bauen wir darauf auf, was der Einzelne mitbringt."
Aktuelle Ausbildungsplätze sind hiergelistet.