Bosnien-Herzegowina

Alter Hass, neue Lebensfreude: So leben die Menschen in Sarajevo

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Fr, 30. August 2019 um 18:23 Uhr

Ausland

BZ-Plus Nach dem Bosnienkrieg der 1990er Jahre lag die Stadt Sarajevo in Trümmern – heute bevölkern Touristen die vielen Kneipen der Stadt. Doch noch sind nicht alle Konflikte beigelegt.

Wo einst die Kriegsfront verlief, sitzen Meho Tirso (63) und Milorad Tusevljak (53) beim Mittagstisch. Sie löffeln Eintopf. Der Geruch von gegrillten Cevapcici liegt in der Luft. Die beiden Elektriker prosten sich mit Bier zu. Auch eine Weinflasche steht auf dem Tisch. Vor 25 Jahren waren sie Feinde. Der Serbe Tusevljak kämpfte in seinem Heimatort Kotorac, an der Grenze zur bosnischen Stadt Sarajevo gelegen, der muslimische Bosniake Tirso harrte im von serbischen Einheiten belagerten Sarajevo aus. Vier Jahre lang, von 1992 bis Anfang 1996, war die Stadt eingekesselt. "Es ist eine verrückte Welt", sagt Tusevljak. "Nur 200 Meter von hier habe ich gekämpft und heute sind wir Freunde." Tirso nickt und lacht. "Wir essen jeden Tag zusammen Mittag."

"In Bremen kann sie im Monat 4000 Euro verdienen. Hier bekommt sie nur 500 Euro." Milorad Tusevljak über seine Tochter Vor der Kneipe steht ein Fahrzeug mit der Flagge der Eufor, der EU-Schutztruppe in Bosnien-Herzegowina. Es ist flirrend heiß. Im Dunst sind die Silhouetten der umliegenden Berge zu sehen. Männer in Tarnfleckuniformen steigen ins Auto, brausen davon, um nur 200 Meter weiter anzuhalten: am Hauptquartier der Eufor. Die EU-Truppe soll sicherstellen, dass die Spannungen zwischen orthodox-christlichen Serben, katholischen Kroaten und muslimischen Bosniaken in dem jungen Land nicht erneut aufflammen.

Ein eines Kriegsverbrechens Angeklagter betet am Igman
"Wir arbeiten beide bei der Eufor", erzählt Tirso. "Wir sind glücklich darüber. Uns geht es gut." Mit monatlich 2000 Mark (1000 Euro) liegt der Verdienst der Elektriker über dem Durchschnitt in Bosnien-Herzegowina, das bis zum Krieg ein Teil des zerfallenen ...

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