Angriff auf Kundus

dpa-avis

Von dpa-avis

So, 01. September 2019

Ausland

Der Sonntag Mitten in den Gesprächen mit den USA attackieren die Taliban die afghanische Provinzhauptstadt.

Kabul (dpa). Ungeachtet laufender Gespräche über Wege zum Frieden in Afghanistan haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban die nördliche Provinzhauptstadt Kundus angegriffen. Provinzräten zufolge gab es Tote und Verletzte bei Polizei und Zivilisten, allerdings sei die Zahl unklar.

Laut den Berichten konnten die Taliban mehrere Einrichtungen und Gebiete in der Stadt einnehmen, darunter das Provinzkrankenhaus, die Zentrale der Elektrizitätsversorgung und den dritten Polizeibezirk der Stadt. Auch das Bundeswehr-Lager in Kundus wurde am Samstag beschossen. Ein noch nicht näher identifiziertes Geschoss schlug am Morgen auf dem Gelände nahe dem Stadtgebiet ein, ohne jemanden zu treffen oder zu verletzen, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mitteilte. Einen Zusammenhang zu dem zeitgleich laufenden Taliban-Angriff auf die Provinzhauptstadt konnte der Sprecher zunächst nicht bestätigen. Im Lager "Pamir" sind derzeit rund 80 Bundeswehr-Soldaten stationiert. Im ganzen Land sind es etwa 1 200.

Sowohl die Taliban als auch die Sicherheitskräfte der Regierung erklärten, Kämpfer der jeweils anderen Seite hätten sich ihnen ergeben. In einem von Taliban geteilten Video waren Kämpfer zu sehen, die einen verlassenen Polizeiposten ausräumten und Munition, kugelsichere Westen und Computerausrüstung in ein Polizeiauto luden. Die Echtheit dieses Videos konnte aber nicht überprüft werden.

Der Angriff erfolgte inmitten der laufenden Gespräche zwischen den Taliban und den USA über eine politische Lösung des seit fast 18 Jahren andauernden Konflikts. Zuletzt hatten sich beide Seiten optimistisch gezeigt, bald ein Abkommen erzielen zu können. Kundus-Stadt war bereits im Herbst 2015 und 2016 kurzzeitig an die Taliban gefallen.