Neuseeland

Anschlag auf Moscheen in Christchurch: Was bisher bekannt ist

afp

Von afp

Fr, 15. März 2019 um 15:45 Uhr

Ausland

Der Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch schockiert die Welt. Was ist geschehen, was wissen wir über den Attentäter? Ein Überblick.

Was ist geschehen?

Während des Freitagsgebets eröffnet ein Angreifer in der Masjid-al-Noor-Moschee im Zentrum von Christchurch das Feuer auf die muslimischen Gläubigen, 41 Menschen sterben dort. In fünf Kilometern Entfernung werden bei einem weiteren Angriff auf eine kleine Vorort-Moschee sieben weitere Menschen getötet, davon drei vor dem Gebäude. Ein weiteres Opfer stirbt nach Behördenangaben später im Krankenhaus. Insgesamt werden 49 Menschen getötet.

Augenzeugen berichteten, dass einige der Opfer in der Hauptmoschee aus nächster Nähe erschossen wurden und unter den Toten auch Kinder sind. Ein Palästinenser, der dem Angriff entkommen konnte, sprach von mehreren in rascher Folge abgegebenen Schüssen, wie dies nur mit einer automatischen Waffe möglich sei. In der Moschee brach Panik aus, blutverschmierte Menschen versuchten, nach draußen zu gelangen.

Wie haben Polizei und Behörden reagiert?

Die Polizei riegelte die Innenstadt von Christchurch ab und entsandte bewaffnete Beamte an mehrere Schauplätze in der Stadt. An einem verdächtigen Auto wurden zwei selbstgebaute Sprengsätze entdeckt und entschärft. Drei Männer und eine Frau wurden festgenommen. Einer der Männer wurde später des Mordes beschuldigt. Die beiden anderen Männer blieben in Gewahrsam, in welcher Verbindung sie zu den Anschlägen standen, war zunächst unklar.

Im Zentrum von Christchurch fand zum Zeitpunkt des Anschlags gerade eine Schülerdemo für den Klimaschutz statt. Der Stadtrat richtete eine Hotline für besorgte Eltern ein, die nach ihren Kindern suchten. Die Polizei rief Muslime im ganzen Land auf, vorsichtshalber keine Moscheen zu besuchen. In der angespannten Lage sprengte das Militär zwei herrenlose Taschen im Zentrum von Auckland. Ihr Inhalt erwies sich als harmlos.

Im 350 Kilometer von Christchurch entfernten Dunedin brachten Polizisten die Anwohner in der Nähe eines Hauses in Sicherheit, das nach ihrer Einschätzung in Verbindung mit den Angriffen steht.

Wer sind die Opfer?

Bisher ist keiner der Toten identifiziert. In der Masjid-al-Noor-Moschee waren zum Zeitpunkt des Anschlags Muslime aus aller Welt zum Gebet versammelt. Unter ihnen waren nach Angaben des indonesischen Außenministers Retno Marsudi sechs Indonesier. Drei von ihnen waren demnach in Sicherheit, nach den anderen wurde noch gesucht.

Unter den Verletzten waren ein Saudi-Araber, zwei Malaysier, zwei Türken und mindestens fünf Jordanier. Nach Angaben des diplomatischen Vertreters Indiens werden neun Menschen vermisst, die die indische Staatsbürgerschaft haben oder indischer Abstammung sind.

Insgesamt 48 Verletzte wurden im Krankenhaus von Christchurch behandelt, darunter auch kleine Kinder. Andere Gläubige entkamen knapp dem Angriff. Unter ihnen waren Mitglieder des Kricket-Teams von Bangladesch, deren Mannschaftsbus gerade bei der Moschee ankam, als die Schüsse fielen. Seine Spieler hätten gesehen, wie "blutende Menschen aus der Moschee kamen", berichtete Manager Khaled Mashud. Vorsichtshalber seien alle dann im Bus in Deckung gegangen.

Was ist über den Angreifer bekannt?

Sein Name wurde offiziell noch nicht bekanntgegeben, doch bestätigte Australiens Premierminister Scott Morrison, dass es sich um einen australischen Staatsbürger handle. Er beschrieb den Mann als "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen".

Vor seinem Anschlag veröffentlichte der Mann ein umfangreiches Hass-Manifest, aus dem deutlich wird, dass der Angriff Muslimen galt. In dem Manifest beschreibt er sich als 28-jährigen gebürtigen Australier aus einer einkommensschwachen Arbeiterfamilie.

Nach eigenen Angaben war er mehrere Jahre in Frankreich, Spanien und Portugal unterwegs. Australischen Medienberichten zufolge arbeitete er, bevor er nach Neuseeland kam, als Fitnesstrainer im australischen Ort Grafton nördlich von Sydney.

Überschrieben ist das Hass-Manifest mit "The Great Replacement" (Der große Austausch). Der Titel geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll, deren Geburtenrate deutlich höher sei.

Auf Bildern von den Waffen des Täters sind darauf handgeschriebene Namen von mehreren historischen Militärvertretern zu erkennen, von denen viele an der Tötung von Muslimen beteiligt waren.