"Bei uns ist die Welt in Ordnung"

Angela Köhler

Von Angela Köhler

Sa, 16. Mai 2015

Ausland

In Fukushima blühen wieder die Bäume – die "Glücksinsel" versucht, mit der Kirschblüte auch das Stigma des Reaktorunglücksortes zu überwinden.

Nach Fukushima zur Kirschblüte – darauf muss man erst mal kommen. Das muss man wirklich wollen. Von Tokio rast der Yamabiko-Shinkansen mit fast 300 Stundenkilometern in Richtung Norden. Nach rund 90 Minuten verkündet ein Zugführer über den Bordfunk: "Wir machen jetzt einen kurzen Stopp in Fukushima."  Das sagt er jeden Tag, im Halbstundentakt.

Wer jedoch an dieser nordostjapanischen Station apokalyptische Atomatmosphäre, leere Bahnsteige und verängstigte Menschen mit Geigerzählern vermutet, liegt falsch. Auf dem modernen Bahnhof steigen überraschend viele Reisende aus, laufen an großen Blumenschalen – mit Kirschblütenzweigen üppig dekoriert – und bunten Bannern mit "Willkommen in Fukushima" zum Hauptausgang. Dort begrüßen freiwillige Helfer – passend zum Ereignis in pinkfarbenen Blousons – persönlich, wen sie für Touristen halten, verkaufen Tickets für den Shuttle-Bus Nummer 6 zur großen Blumenschau am Hanamiyama.

   Der Name ist Programm. Hanamiyama heißt Blütenbesichtigungsberg. Die Idee, einmal in Fukushima die Kirschblüte zu bewundern, haben ganz offensichtlich eine große Zahl Japaner, vermutlich ohne Bedenken oder erkennbare Aufregung. Der volle Bus fährt durch eine intakte Großstadt, wo die Einwohner ihrem normalen Leben nachgehen. Zerstörung, Elend oder Katastrophenstimmung? Fehlanzeige, im Gegenteil. Breite Straßen mit vollen ...

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