USA

Beim zweiten TV-Duell geraten Hillary Clinton und Donald Trump heftig aneinander – es ging um Frauen, E-Mails und die Wall Street

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Di, 11. Oktober 2016

Ausland

Die zweite TV-Debatte zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump hat am Sonntag (Ortszeit) ohne Handschlag begonnen, wurde schnell giftig und zielte mehrfach unter die Gürtellinie.

WASHINGTON. Die Vorentscheidung, die viele nach den jüngsten Enthüllungen über Trump erwartet hatten, blieb aus – der Milliardär glänzte zwar nicht, aber er überlebte.

Das Town-Hall-Format an der Washington University in St. Louis überließ die meisten Fragen unentschlossenen Wählern, und gleich der Auftakt geriet pikant. "Glauben Sie, dass Ihr Benehmen der heutigen Jugend ein gutes Vorbild ist?" Schnell drehte sich die Debatte um den Aufreger der vergangenen Tage: Videoaufzeichnungen aus dem Jahr 2005, in denen Trump in vulgärer Sprache damit prahlt, sich als Star bei Frauen "alles" erlauben zu können. Zahlreiche republikanische Kongressabgeordnete haben ihm ihre Gefolgschaft gekündigt, selbst enge Begleiter sahen in der TV-Debatte einen Schicksalsmoment. Trump sagte, er schäme sich für die "Kabinenscherze", verzichtete aber auf weitere Selbstkasteiung. Erst auf mehrfache Nachfrage hin versicherte er, in Wirklichkeit nie übergriffig geworden zu sein.

Dann ging er zum Konter über: "Wenn man sich Bill Clinton anschaut: Meines waren Worte und seines Taten", sagte der 70-Jährige. "Bill Clinton hat Frauen missbraucht. Hillary Clinton hat diese Frauen attackiert." Trump hatte drei Damen in der ersten Reihe platziert, die Hillarys Ehemann beschuldigen, sie vor Jahrzehnten missbraucht zu haben. Unmittelbar vor der Debatte hatte er gemeinsam mit ihnen eine Pressekonferenz gegeben. Doch dann krönte er seinen Angriff mit so haltlosen Anschuldigungen, dass die Medien später mehr mit Richtigstellungen beschäftigt waren als mit dem Kernvorwurf.

Trump trieb Clinton gelegentlich durchaus in die Enge. Sie geriet ins Straucheln, als es um den privaten E-Mail-Server ging, über den sie als Außenministerin ihre Post abgewickelt hat. Genauso bei dem Vorwurf, zu eng mit der Wall Street verbandelt zu sein. So hatte die Plattform Wikileaks am Freitag angebliche Auszüge aus Reden veröffentlicht, die Clinton 2013 und 2014 hinter verschlossenen Türen vor Bankern gehalten hatte. Sie sollen demnach unter anderem eine Wall-Street-freundliche Haltung der Kandidatin dokumentieren, die im Kontrast zu ihren derzeitigen Wahlkampfreden steht. Ihre Verteidigung bürstete Trump wirkungsvoll ab. Und er vergaß auch seine Kernbotschaft nicht: Dass Clinton zu etabliert sei, um einen Neuanfang zu verbürgen. Gleichwohl blieb offensichtlich, dass Clinton Trump in Sachfragen überlegen ist. Als die Moderatoren Martha Raddatz (ABC) und Anderson Cooper (CNN) feststellten, dass er eine andere Syrien-Politik vertrat als sein Vize Mike Pence, lieferte er diesen sogar ans Messer: "Er und ich haben nicht gesprochen. Ich bin anderer Meinung."

Auf die Bitte, mindestens eine positive Eigenschaft am Gegner zu finden, pries Clinton Trumps wohlgeratene Kinder und erklärte, das sage auch etwas über den Vater aus. Trump lobte die Tatsache, dass Clinton nie aufgebe: "Ich halte das für einen sehr guten Charakterzug."

Einer CNN-Blitzumfrage zufolge erlebten 63 Prozent der Zuschauer Trump besser als erwartet. Trotzdem erklärten 57 Prozent der Befragten Clinton zum Sieger, nur 34 Prozent Trump. CNN wies darauf hin, dass Demokraten in der Erhebung leicht überrepräsentiert waren.