USA

Demokraten empört über Trump-Tweets

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Mo, 15. Juli 2019 um 21:01 Uhr

Ausland

Nach einer Serie unverhohlen rassistischer Kommentare Donald Trumps rollt eine Welle der Empörung durch den amerikanischen Kongress.

Bisher findet der Protest allerdings fast ausschließlich in den Reihen der Demokraten statt. Beim Slogan "Make America Great Again" sei es in Wahrheit immer nur darum gegangen, Amerika wieder weiß zu machen, kritisiert Nancy Pelosi, die Chefin der Abgeordnetenkammer. Dabei mache gerade die Vielfalt die Stärke des Landes aus.

Vorausgegangen waren Twitter-Zeilen des Präsidenten, mit denen er vier junge, aufstrebende Parlamentarierinnen aufforderte, in ihre Heimatländer "zurückzugehen" und zu helfen, "die total kaputten und von Kriminalität verseuchten Orte" in Ordnung zu bringen, aus denen sie gekommen seien. Es sei interessant zu beobachten, schrieb er in einem anderen Tweet, dass "progressive" demokratische Abgeordnete, die aus Ländern stammten, deren Regierungen die schlimmsten, korruptesten und unfähigsten auf der Welt seien, dem Volk der USA, der großartigsten und mächtigsten Nation der Welt, lautstark und boshaft vorschreiben wollten, wie ein Staat zu funktionieren habe.

Ohne Namen zu nennen, spielte Trump auf ein Quartett von Politikerinnen an, das im Kongress auf dem linken Flügel der Demokraten eine prominente Rolle spielt. Nur wurden drei der vier Frauen in den USA geboren. "Herr Präsident, das Land, aus dem ich komme, das Land, dem wir alle unsere Treue schwören, das sind die Vereinigten Staaten", konterte denn auch Alexandria Ocasio-Cortez, mit 29 die Jüngste, die je ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. AOC, wie sie nach ihren Initialen meist nur genannt wird, kam in New York zur Welt. Ihre Mutter war aus Puerto Rico in die Bronx gezogen, wo ihr Vater von Kindheit an gelebt hatte. Rashida Tlaib ist die Tochter palästinensischer Migranten, die aus dem Westjordanland in die Autostadt Detroit übersiedelten. Ayanna Pressley, die erste Afroamerikanerin, die den Ostküstenstaat Massachusetts im Parlament vertritt, stammt aus Cincinnati. Lediglich Ilhan Omar, neben Tlaib die erste Muslimin in der Geschichte der amerikanischen Legislative, wurde im Ausland geboren, in Mogadischu. Ihre Familie floh vor dem Bürgerkrieg in Somalia, beantragte Asyl in den USA und ließ sich schließlich in Minneapolis nieder.

Im Februar hatte Omar für Wirbel gesorgt, als sie antisemitische Klischees aufwärmte und behauptete, viele im Kongress unterstützen Israel nur deshalb, weil sie von einer jüdischen Lobbygruppe bezahlt würden. Sie entschuldigte sich, Trump indes legte am Montag noch einmal nach. Wann radikal linke Abgeordnete wohl "bei unserem Land und beim Volk Israel" um Verzeihung bitten würden für die "schrecklichen Dinge, die sie gesagt haben", fragte er via Twitter.

Da die vier häufig gemeinsam auftreten, hat man ihnen den Beinamen "The Squad" gegeben. Die Mannschaft. Und da ihre Vorfahren nicht aus Europa in die Neue Welt kamen, symbolisieren sie den Wandel in einer Republik, deren sich ändernde Demografie sich allmählich auch in der Zusammensetzung ihrer Institutionen widerspiegelt. Zugleich stehen sie für den Kontrast zu Trump, der die latenten Abstiegsängste weißer Mittelschichtamerikaner zu schüren versteht.

Diesmal fiel Donald Trumps Attacke kaum zufällig auf den Tag, für den er in mehreren Großstädten Razzien gegen Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere – die meisten aus Lateinamerika immigriert – angekündigt hatte. Außerdem kündigte Justizminister Bill Barr an, dass von Dienstag an Asylanträge von Migranten an der Grenze zu Mexiko abgelehnt werden, wenn sie auf ihrem Weg nicht zuvor in Mexiko oder einem anderen Land den Flüchtlingsstatus beantragt haben.