Druck auf May steigt

dpa

Von dpa

So, 07. April 2019

Ausland

Der Sonntag Konservativer Partei droht wegen Brexit eine Zerreißprobe.

London/Bukarest (dpa). Die britische Premierministerin Theresa May steht unter massivem Druck, die beantragte Verlängerung der Brexit-Frist stichhaltig zu begründen. Am kommenden Mittwoch wollen die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer bei einem Sondergipfel in Brüssel über die britische Bitte entscheiden.


Eine Teilnahme Großbritanniens an der Europawahl Ende Mai könnte vielen Menschen angesichts des Brexits nicht vermittelt werden, hieß es beim EU-Sondergipfel. "Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das wäre der Abschiedsbrief für die Konservative Partei", sagte am Samstag Bildungsstaatssekretär Nadhim Zahawi in einem BBC -Interview. Konservative warnten laut Telegraph auch vor einem "katastrophalen Schaden" bei den Kommunalwahlen am 2. Mai im Land.

Der britische Finanzminister Philip Hammond zeigte sich hingegen zuversichtlich, dass die Gespräche mit der Opposition über einen Ausweg aus der Brexit-Sackgasse Erfolg haben könnten. Die Diskussionen mit der Labour-Partei würden weitergehen, sagte er beim Treffen der EU-Finanzminister am Samstag in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. "Ich bin optimistisch, dass wir irgendeine Art von Übereinkunft erreichen werden." Dagegen zeigten sich Labour-Politiker enttäuscht vom bisherigen Verlauf der Verhandlungen mit der Regierung. "Wir wollen, dass die Gespräche weitergehen", sagte Labours Brexit-Experte Keir Starmer der BBC . Dazu müsse die Regierung aber zu Kompromissen bereit sein. Mehr Flexibilität forderte auch die Labour-Politikerin Diane Abbott am Samstag: "Es steht außer Frage, dass das Durcheinander, in dem wir stecken, das Durcheinander von Theresa May ist."

Während sich der Streit um den Brexit zieht, geht bei den britischen Reisepässen alles ganz schnell: Trotz der Brexit-Verschiebung fehlt auf den Dokumenten bereits die Bezeichnung "Europäische Union". Die burgunderfarbenen Pässe werden seit dem 30. März ausgegeben – einen Tag nach dem ursprünglich geplanten EU-Austritt. Ende des Jahres müssen sich die Briten auf noch eine Neuerung einstellen: Dann sollen die Dokumente nicht mehr im typischen Burgunderrot der EU-Reisepässe ausgestellt werden, sondern in Blau - mit Pässen in dieser Farbe bereisten die Briten früher die Welt.

Bislang ist vorgesehen, dass Großbritannien die EU am 12. April verlässt. Um einen chaotischen Bruch mit unabsehbaren Folgen zu vermeiden, hat May in einem Schreiben an EU-Ratschef Donald Tusk um Aufschub bis zum 30. Juni gebeten. Tusk plädiert hingegen für eine flexible Verlängerung der Austrittsfrist um bis zu zwölf Monate. Der Vorschlag ist auch als "Flextension" oder "Flexi-Brexit" bekannt. May hatte sich kürzlich an die Opposition gewandt und Kompromisse bei ihrem inzwischen drei Mal vom Parlament abgelehnten Brexit-Deal angeboten. Doch eine Einigung scheint noch lange nicht in Sicht.

Der EU-Experte Nicolai von Ondarza geht trotzdem davon aus, dass sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Sondergipfel am Mittwoch auf einen langen Aufschub des Brexits einigen werden. "Die Situation in London ist so verfahren, dass eigentlich eine neue politische Situation hergestellt werden muss - über lange überparteiliche Gespräche, Neuwahlen oder ein zweites Referendum", sagte der für die Stiftung Wissenschaft und Politik tätige Politikforscher am Freitag in einem Tagesschau -Interview.

Ondarza sagte, er gehe davon aus, dass der EU-Gipfel eine Lösung finden könne. Aber Brüssel habe auch Interesse daran, den Briten zu sagen, dass es eine Verlängerung nicht umsonst gebe: "Sie müssen an den Europawahlen teilnehmen und der EU sagen, was sie erreichen wollen."